die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Der älteste Mensch, nicht allein in Amerika, sondern wohl auf der ganzen Erde befindet sich, wie wir im "Milw. Her." lesen, auf der Armen-Farm zu Pisrataway in der Nähe von Plainfield. Er heißt Noa Rabi und ist 132 Jahre alt. Bis er vor kurzem von den Masern befallen wurde, befand sich der Alte bei sehr guter Gesundheit und machte täglich einen Spaziergang. Auch hatte er bis dahin täglich drei Pfeifen Tabak geraucht, und zwar seit seinem 20. Lebensjahre. Seit seiner neulichen Erkrankung an den Masern hat er jedoch diesem Vergnügen entsagen müssen. Die Matrone der Anstalt, Frau Nummer, ist der Ansicht, daß sein Ende nahe ist. Er kann das Bett nur noch auf kurze Zeit verlassen. Sein Erinnerungsvermögen hat nahezu vollständig aufgehört, und er spricht unzusammenhängend. - Daß der älteste Mensch der Erde gerade in Amerika entdeckt wurde, könnte die Mitteilung einigermaßen fragwürdig erscheinen lassen.
Briesnigk: Während im vergangenen Sommer die Neißefischerei durch Raubfischer stark be-einträchtigt wurde, kann man jetzt mehrfach den gefährlichsten Räuber, den Fischotter, beobachten. Ein ausgewachsenes Tier dieser Gattung braucht zu seiner Sättigung an 3 - 4 Pfund Fische. Man kann daraus auf die Verheerung schließen, die ein Paar Fischottern, besonders wenn es Junge hat, in Fischteichen und Flüssen anrichtet. In der Nähe der Briesnigker Lache ist von Fischern öfters ein seltenes Exemplar, ein weißer Otter, gesehen worden. Der königliche Förster van der Heyden in Heinersbrück beabsichtigt im kommenden Winter den Otternfang auf der Briesnigker Neißeseite auszuüben.
Die überaus ungüstige Witterung der letzten Wochen hat die Kartoffelernte außerordentlich erschwert. Die kgl. Regierung zu Frankfurt a. O. ist deshalb von vielen Seiten darum angegangen worden, daß die weitere Ausdehnung der Herbstferien ausnahmsweise für das laufende Jahr genehmigt werden möchte. Diesen Gesuchen vermag die kgl. Regierung keine Folge zu geben, ermächtigt aber angesichts der dringenden Notlage die Schulinspektoren, daß sie für die Kartoffelernte die Beurlaubung einzelner, für die Erntearbeit in Betracht kommender Kinder unter Berücksichtigung des örtlichen Bedürfnisses auskömmlicher und reichlicher gewähren. Außerdem macht die Regierung darauf aufmerksam, daß bei der bis zum 31. Oktober in Geltung stehenden Sommerschuleinrichtung der Unterricht der Oberstufe in den drei Morgenstunden von 7 - 10 Uhr beendigt sein kann, so daß die dazu gehörenden Kinder täglich noch mehrere Stunden zur Hilfeleistung verwendet werden können.

(!)Butterverkauf: Es wird nochmals auf den morgen, Freitag und Sonnabend stattfindenden städtischen Butterverkauf hingewiesen. Die Verkaufszeit ist diesmal bis 6 1/2 Uhr abends an beiden Tagen verlängert worden. Da ausreichende Vorräte vorhanden sind, um jedem die zustehenden 50 g zu gewähren, so ist jeder Andrang unnötig. Die Einwohnerschaft wird besonders ermahnt, nicht zu frühzeitig, namentlich nicht vor Beginn der Verkaufszeit, zur Verkaufsstelle zu kommen, da dadurch ganz unnötige Ansammlungen und Verzögerungen hervorgerufen werden. Wer über seine Zeit frei verfügen kann, wolle den Nachmittag für den Einkauf wählen. Es wird hierbei noch darauf hingewiesen, daß unsinnige Gerüchte über Versendung der Butter nach auswärts und dergl. selbstverständlich vollkommen unbegründet sind. Gegen die Verbreiter derartiger Nachrichten wird mit aller Schärfe strafrechtlich vorgegangen werden.

Bei der gegenwärtigen Ausdehnung der Grippeerkrankungen werden, wie wir hören, die Schulbetriebe auch in die nächste Woche hinein geschlossen bleiben müssen. Zum Schutz vor Ansteckungsgefahr empfiehlt es sich, den nahen Verkehr mit hustenden Personen möglichst zu meiden, namentlich bei größeren Menschenansammlungen (in Straßenbahn, Gastwirtschaften usw.) ist größte Vorsicht geboten, da die nahe Berührung mit Kranken oder Krankheitsträgern zur Ansteckung führen kann.

Die Philharmonische Gesellschaft tritt am Mittwoch, dem 27. d. M. mit einer Doppel-Veranstaltung auf den Plan. Sie hat dazu das Berliner Vokal-Terzett unter Einwirkung eines Märchen-Erzählers gewonnen. Wie aus dem Anzeigenteil hervorgeht, findet nachmittags 4 Uhr im Schützenhaus eine Jugendveranstaltung und danach für die Erwachsenen ein Volkslieder- und Märchenabend statt. In beiden Veranstaltungen kommen allerlei Volksweisen und Märchen zum Vortrag. Eintrittskarten zu beiden Veranstaltungen sind außer in den beiden bekannten Vorverkaufsstellen (Buchhandlungen von Jul. Deutz und Georg Pilz) auch in der Buchhandlung „Märk. Volksstimme“, Langestraße 4 hier, zu haben. Alles weitere ist aus der heutigen Anzeige zu ersehen.