die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Von einer Trauung mit Hindernissen erzählt ein Libauer Blatt: Vor einem Hause der Espenstraße in Libau hielt dieser Tage eine Equipage, die ein "glückliches" Brautpaar zur Kirche bringen sollte. Die Gäste erschienen und auf der Straße sammelte sich die übliche gaffende Menge, als plötzlich aus dem Hause gewaltiges Gejammer und Geschrei ertönte. Der Bräutigam bestand nämlich darauf, daß ihm vor der Trauung die versprochene Mitgift von 4000 Rubel ausgehändigt werde, widrigenfalls er sich nicht trauen lasse. Die Panik, die im Hause entstand, pflanzte sich nach der Straße fort, wo die Menge für oder wider den Bräutigam Partei nahm, was zu einigen - glücklicherweise unblutig verlaufenden - Straßenkämpfen führte. Die Mitgift war nicht aufzutreiben, der Bräutigam wurde aber trotzdem einigermaßen besänftigt, und darauf setzte sich der Zug zur Kirche in Bewegung. Unterwegs ließ aber der Bräutigam plötzlich die Equipage halten und wollte mit gewaltigen Sprüngen die Flucht ergreifen; er wurde aber unter großem Halloh des Publikums eingefangen und im Triumph zu der glückstrahlenden Braut zurückgebracht, dann zerrte man den sich Sträubenden zur Kirche und schmiedete ihn in die "goldenen" Fesseln der Ehe.


Stadttheater. Am Sonntag nachmittag findet die letzte Aufführung des packenden Schauspiels „Die Judasglocke“ statt. Für diese Vorstellung sind die Preise ermäßigt, und zwar Orchester- und Prozentumlage auf 1 M. 1.Rang auf 2.50 M, Parkett auf 2 M, Parterre auf 1,75 M usw. Es wird besonders darauf hingewiesen, daß der Inhalt dieses interessanten Werkes für Kinder nicht geeignet ist.
Im Gubener Hausfrauenverein wird nächsten Donnerstag Frau Charlotte Mühsam aus Berlin über die wirtschaftliche Lage und deren Einwirkung auf den Haushalt sprechen. Frau Mühsam steht seit langen an der Spitze der Hausfrauenbewegung, sie ist deshalb als Vertreterin der Hausfraueninteressen in den Reichswirtschaftsrat entsendet und ist wie keine andere berufen, über solch eine schwierige Frage zu sprechen. Immer mehr hat man erkannt, von welch großer Wichtigkeit der Hausfrauenberuf für unser Volksleben ist, und welche Schwierigkeiten gerade die Frauen infolge der ungesunden Preisgestaltung im ganzen Wirtschaftsleben zu ueberwinden haben. Es ist deshalb für jeden, auch die Hausväter, von großen Interesse, eine so erfahrene Frau über dieses Thema sprechen zu hören.