die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Aus der städtischen Volksbibliothek sind im Monat Januar cr. von 1661 Lesern 2417 Bücher entnommen worden, und die Lesehalle wurde von 541 Personen besucht. Beide Räume, Markt 12 gelegen, sind an Wochentagen des Abends von 5 bis 8 Uhr geöffnet; des Sonntags dagegen werden Bücher vormittags von 11 bis 1 Uhr ausgegeben, und die Lesehalle wird von 4 bis 7 Uhr des Nachmittags benutzt. Letztere ist mit unterhaltenden und belehrenden Lesestoffen reichlich versehen. Die täglich ausgelegten 11 Zeitungen und 18 Zeitschriften können jeden billigen Wunsch für politische Nachrichten und nach neuen Erscheinungen auf dem Gebiete der Literatur befriedigen. Außerdem stehen jedem Besucher Schriften des hiesigen Tierschutzvereins, stenographische, technische und industrielle Blätter, Reiseführer, Wappen mit Kunstblättern, eine Bibliothek mit Nachschlagewerken und mehrere literarische Erzeugnisse gemeinnütziger Bestrebungen kostenlos zur Verfügung. Die Volksbibliothek enthält gegen 6200 Bände. Die nach Fertigstellung des neuen Katalogs angekauften Werke sind durch Aushängebogen im Bibliothekszimmer bekannt gegeben. Die Gesundheitsschriften „Wie kann man helfen bei Unglücksfällen?“, „Wie erhält man sich gesund und erwerbsfähig?“, „Die Tuberkulose und deren Bekämpfung“, eine Preisschrift, werden weit unter dem Selbstkostenpreis für 5 und 10 Pfg. pro Heft dauernd abgegeben. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung und mit Rücksicht auf andere Leser bleibt es dringend erwünscht, die zum häuslichen Gebrauch entliehenen Bücher rechtzeitig zurückzugeben, sie im Hause gegen mutwillige Beschädigung und unterwegs durch eine zweckentsprechende Einhüllung gegen Nässe zu schützen.
Lichtmeß! Der heutige 2. Februar führt im Volksmunde den Namen Lichtmeß. Eine alte Bauernregel sagt: Lichtmessen ist der Winter halb gemessen. Mit diesem Tage ist der Berg des Winters erstiegen. Im Herzen des Landmanns regt sich die Hoffnung auf den kommenden Frühling und die Freude auf das alsdann wieder beginnende Ackerwerk. Was aber bedeutet die verheißungsvoll klingende Bezeichnung Lichtmeß? Die meisten bringen dieselbe mit der besonders um diese Zeit bemerkbaren beträchtlichen Zunahme des Lichtes, d. h. der Tage, in Zusammenhang und meinen, dieselbe sei eben nun so auffällig und bedeutend, daß man sie, nach Stunden natürlich, messen, d. h. bemessen und berechnen könne. Indes, diese Deutung, so einleuchtend sie vielleicht zuerst erscheint, ist unzutreffend. Der Name Lichtmeß ist vielmehr kirchlichen Ursprungs. An diesem Tage nämlich werden in der katholischen Kirche während des Gottesdienstes (Messe) die zum kirchlichen Gebrauch bestimmten Kerzen durch Besprengung mit Weihwasser geweiht, woher die Feier und der ganze Tag den Namen Lichter-Messe erhielt, woraus Lichtmeß wurde. Wohl kaum gibt es einen Tag im ganzen Jahreslaufe, der nach dem Volksglauben von so einschneidender Bedeutung für das Naturleben wäre wie gerade der 2. Februar. Da Lichtmeß etwa in die Mitte zwischen Winters- und Frühlingsanfang fällt, so gilt dieser Tag als Grenzscheibe zwischen der Winterbeschäftigung, dem Spinnen usw. und den ersten Frühlingsarbeiten im Garten und Feld, mit Hacke und Schippe. Verschiedene Bauernregeln knüpfen an Lichtmeß an. An diesem Tage darf nicht schönes Wetter sein, sonst gibt’s ein ungünstiges Jahr. Aus der Zeit, da es auch in Deutschland noch Wölfe gab, stammt die Wetterregel: Zu Lichtmeß sieht der Bauer lieber den Wolf im Schafstalle, denn die Sonne. Denselben Sinn, nämlich, daß am Lichtmeßtage nicht schönes Wetter sein darf, hat eine englische und auch friesische Sitte, an diesem Tage ein Bund Stroh zu einer weiblichen Figur zusammenzubinden und ins Freie zu stellen. Wir sie naß, so gibt’s ein gutes Jahr, bleibt sie dagegen trocken, so gibt es viele taube Aehren.



Pferdeverkauf. Der Landkreis hat von der Heeresverwaltung 20 kriegsunbrauchbare, für Landwirte geeignete Pferde angekauft, welche an Landwirte des Kreises gegen Erstattung der Taxpreise, zuzüglich der Selbstkosten im Wege der Verlosung abgegeben werden. Der Ankauf ist an bestimmte Bedingungen geknüpft, die bei der Ortsbehörde zu erfahren sind. Der Verkauf findet am Montag, den 4. d.M., nachm. 2 Uhr im Gasthof zum Stern in Guben statt. Pferdehändler sind vom Ankauf ausgeschlossen.
In der letzten Sitzung der kirchlichen Körperschaften der Stadt- und Hauptkirche wurde Herr Stored in sein Amt als Gemeindevertreter eingeführt. Sodann machte der Vorsitzende Mitteilung über eine Anzahl Austritte aus der Kirche. Die Versammlung erklärte sich mit der Annahme einer Stiftung des Studienrats Ziersch in Cottbus zur Instandhaltung des Erbbegräbnisses der Familie Ziersch auf dem Alten Friedhofe einverstanden. Der vierte Pfarrer Herr Dr. Menzel hat zum 31. März seine Stellung gekündigt mit der Begründung, daß er sich in einer Stadt mit Hochschule niederlassen will, um sich wissenschaftlich fortbilden und unter Umständen ein Lehramt daselbst anzunehmen. Die Ausschreibung der Pfarrstelle, die mit einem verheiraten Geistlichen besetzt werden wird, soll baldigst erfolgen. Da Herr Pastor Bettermann von der christlichen Brüdergemeinde Guben verläßt , wird beschlossen, seine Wohnung für den neuen Geistlichen und den Betsaal für kirchliche Zwecke, zur Abhaltung von Sitzungen, Betgottesdiensten, Konfirmandenunterricht u. f. f. zu mieten.
Die Kraatz´sche Mordaffäre in Küppern.
In unserer Stadt und in den umliegenden Orten geht noch immer das Gerücht um, daß die Mörder der Kraatz´schen Familie in Küppern inzwischen ermittelt worden seien und bereits ein Geständnis abgelegt haben. Dieses Gerücht entbehrt, wie uns von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, jeder Begründung. Bis jetzt hat über die Mörder leider noch nichts ermittelt werden können.
Der Reichsverband heimattreuer Ost-und Westpreusen hält am nächsten Dienstag in seinem Vereinslokal eine Versammlung ab, zu dem alle dem Verein noch fernstehende Landsleute eingeladen sind.