die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Abnorm warme Tage hat uns bis jetzt der Frühling beschert. Aus allen Theilen Deutschlands und auch aus auswärtigen Ländern, wie Frankreich, kommen Nachrichten über ungewöhnlich warme Witterung. In Paris betrug am Mittwoch die Temperatur 26,4 Grad C. Dies ist die höchste im März seit 150 Jahren dort verzeichnete Temperatur. Bei uns liegen die Verhältnisse ähnlich. Die Magdeburgische Zeitung berichtet, daß in Magdeburg 25 Grad im Schatten beobachtet worden sind und bemerkt dazu: Die Meteorologie belegt solche Tage, an denen Temperaturen von 25 Grad und darüber vorkommen, mit dem Namen Sommertage. Ein Sommertag im März! Wie abnorm diese Thatsache ist, geht schon daraus hervor, daß wir im Mittel den ersten Sommertag nicht vor dem 10. Mai erwarten dürfen. Er kommt folglich in diesem Jahr um 45 Tage zu früh. Die Ursache dieser hohen Temperatur ist im wesentlichen in einem äußerst lebhaften Lufttransport aus südlichen Breiten zu suchen. In zweiter Linie dürfte dann an eine außergewöhnlich große Durchlässigkeit der Luft für die Wärmestrahlen der Sonne zu denken sein. Hoffentlich kehrt, nachdem uns der Lenz so verwöhnt hat, nicht noch einmal der rauhe Winter mit Frost und Schnee zurück; das wäre nach den lauen Tagen doppelt unangenehm und für die Pflanzenwelt verderblich.

Beachtenswerte Mahnungen an die Eltern richten verschiedene Direktoren höherer Lehranstalten auch in den diesjährigen Osterprogrammen. So verdient die Bitte an die Eltern gerade in unserer Zeit Beherzigung, ihren Kindern für die Schulausflüge nicht zu viel Geld mitzugeben. Außer den Lebensmitteln vom Hause sollen die Schüler nur wenige Groschen für Getränke mitbekommen; Ausgaben an Spielbuden, Automaten und dergl. sind ganz überflüssig und widersprechen der Pflicht zur anspruchslosen Lebensführung. Der Direktor einer höheren Mädchenschule empfiehlt dringend eine Beschränkung der nervenreizenden musikalischen Uebungen und untersagt das Mitbringen von Schmuckgegenständen in die Schule.
Ein neuer Film beherrscht gegenwärtig das Programm der hiesigen Kinotheater an der Neißebrücke und an der Herrenstraße. Es ist ein mimisches Drama von dem bekannten Kinomeister Urban Gad, das sich „Das Kind ruft“ betitelt und die beliebte Kinodiva Asta Nielsen in der Hauptrolle zeigt. Der Film enthält mehrere hochdramatische Stellen, wie sie die Lichtspielkunst selten aufzuweisen hat. Man wirft einen Blick in das Gefühlsleben einer Mutter und Gattin, die um ihre Liebe kämpft, schließlich aber dem Schicksal verfällt. Die Szenenführung ist eine spannende.
Die staatsbürgerliche Erziehung der Frau soll weiter gepflegt und gefördert werden. Der vor kurzem zusammengetretene Frauenausschuß hält heute, Freitag, abends 8 Uhr, im Schützenhause einen weiteren Schulungsabend ab. Herr Pfeiffer Dr. Lewin wird über „Polizeiwesen und Verwaltung in der Gemeinde“ sprechen. Es bedarf keines besonderen Hinweises, daß alle Frauen und erwachsenen Mädchen für dieses Thema Interesse bekunden werden, zumal ein parteipolitischer Standpunkt bei vielen Abenden nicht zum Ausdruck kommt. Es sei daher auch an dieser Stelle der Besuch des Abends wärmstens empfohlen.