die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
In wenigen Tagen beginnt die Rebhuhnjagd wieder, auf die sich der Waidmann freut wie auf kaum eine andere. Die Meinungen darüber, ob die Jagd in diesem Jahre eine besonders ausgiebige werden wird, sind noch sehr getheilt. Die Erfahrungen der Jagd selbst können über diese hochwichtige Thatsache auch erst Aufschluß bringen. Hoffentlich ist es ein gutes Jahr, so daß der Rebhuhnbraten nicht ausschließlich den Tisch der reichen Leute ziert, sondern daß sich ihn auch die weniger Bemittelten einmal leisten können. Daß es etwas Schönes ist um solchen Braten, darüber sind sich nicht bloß die Feinschmecker, sondern alle Leute mit normalem Geschmack einig; und das sagt nicht nur die Gegenwart, sondern auch das graue Alterthum hat den Genuß eines Rebhuhnbratens schon zu schätzen gewußt. In der Überlieferung der Alten findet man sogar ganz genaue und recht beachtenswerthe Angaben, wie das gepriesene Huhn zuzubereiten sei, um den leckeren Braten zu liefern und wenn die moderne Kochkunst es auch nicht nöthig hat, zu den alten Römern und Griechen zu greifen, um den culinarischen Hochgenuß herzustellen, so ist er doch immerhin interessant, daß in den Fragen des Geschmacks sich die Völker gleich belieben, und daß die Alten den Dingen, die gut schmecken, die gleiche Werthschätzung entgegenbrachten, die wir für sie heute noch übrig haben. Natürlich kann man auch mit einem Rebhuhnbraten, wie mit allen anderen Sachen auf der Welt, unter Umständen gehörig hineinfallen, und zwar dann, wenn die Köchin oder der Koch den unmöglichen Versuch angestellt hat, aus einem alten und zähen Huhn einen saftigen und zarten Braten herzustellen. Die Katze, die der Jäger schoß, macht nie der Koch zum Hasen. Da muß man eben Kenner sein und die Spreu von dem Weizen zu unterscheiden verstehen. Unsere Jäger und Kaufleute kennen die untrüglichen Zeichen, an denen man die jungen Hühner von den alten unterscheiden kann, und wer Werth darauf legt, kann es von ihnen leicht erfahren.
Schneefall: Im sächsischen Erzgebirge und im östlichen Vogtland ist, wie die "Dresdener Nachrichten" melden, der erste Schnee gefallen. In Ostsachsen ist das Thermometer auf ½ Grad Wärme gesunken.
Zur Erklärung der roten Färbung des Neißewassers können vielleicht folgende Notizen beitragen, die wir aus einer vorliegenden Chronik einer märkischen Stadt entnehmen: Am Weihnachtsabend 1737 färbte sich der Strassee ganz rot, ebenso im Januar 1779 (nach neueren Untersuchungen durch Algen); 1752, 20. März, grüne Färbung des Sees, desgleichen 1881 (ebenfalls infolge Algen).
Vom Wetter. Auch während der letzten acht Tage hat die Witterung ihren veränderlichen, kühlen und regnerischen Charakter beibehalten. Zeitweilig ist das Wetter ganz wie vor Jahresfrist im August völlig herbstlich geworden und die Temperaturen haben in manchen Landesteilen kaum 15 Grad Wärme erreicht. Bemerkenswert war in der letzten Woche namentlich die Verschiebung der Hauptregenzone. Während vorher meist der Westen, Süden und Osten des Landes die größten Niederschlagsmengen hatten, haben sich diese neuerdings besonders in Norddeutschland eingestellt, wo der Sommer zwar auch kühl und veränderlich, aber stellenweise, wie in Brandenburg, Mecklenburg und Pommern eher zu trocken als zu naß gewesen ist. Vom Westen und Nordosten her nimmt jetzt der Luftdruck zu; zunächst wird aber das Wetter wohl noch kühl und veränderlich bleiben.


Gerüchte.
Ueber verschiedene Gerüchte, die in unserer Stadt über den Preis für den Speck umher schwirren, wird der „Märkischen Volksstimme" berichtet. Der Berichterstatter der den Lebensmittelausschuß in Schutz nimmt, fährt die Gerüchteverbreiter unsanft an, die er in den Kreisen derjenigen vermutet, die keine Freunde von der Zentralstation der Lebensmittelversorgung in Guben sind. Wenn der Berichterstatter schließlich aber behauptet, daß die „sonst so hellhörigen“ Gubener Tageszeitungen von diesen Gerüchten noch nicht Notiz genommen haben, so müssen wir ihm empfehlen, wenigstens die „Gubener Zeitung“ etwas genauer zu lesen, damit er nicht leichtfertig Unwahrheiten in die Welt streut. Wir haben schon mehrfach über diese Angelegenheit berichtet und die Preisgestaltung des Specks klargelegt, bevor der Berichterstatter der „Märk. Volksst.“ Davon Notiz genommen hat.
Papierpreiszuschlag bei Postkarten.
Die von der Postverwaltung neu ausgegebenen Postkarten tragen neben den Wertzeichen den Aufdruck „Papierpreiszuschlag 5 Pf.“. Dieser Zuschlag ist bekanntlich seit März d. Js. eingeführt und soll der Postverwaltung einen Ausgleich dafür bieten, daß sie dem Versender auch den Kartenvordruck zur Anbringung der Mitteillungen liefert, denn die eingedruckte Marke stellt nur die Gebühr für die Beförderung der Karte nach dem Postgebührengesetz dar.