die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Erweiterung des Fernsprechverkehrs
Mit folgenden Orten ist neuerdings Guben telephonisch verbunden:
Altona, Bergedorf, Blankenese, Brandenburg a. H., Dessau, Fuhlsbüttel, Hamburg,
Harburg (Elbe), Königsberg (Neumark), Kohlfurt, Neucunersdorf (Neumark), Rothenburg (Oder), Schiffbeck, Sonnenburg (Neumark), Woldenberg, Wandsbeck, Bärwalde (Neumark).Die Gebühr für ein Gespräch von 3 Minuten beträgt nach Rothenburg (Oder)
25 Pfg., nach Kohlfurt, Neucunersdorf und Sonnenburg (Neumark) 50 Pfg., nach allen übrigen Orten 1 Mark.
Decimalwaage für Wochenmarktbesucher
Seit Beginn dieses Jahres ist an jedem Montags - Wochenmarkttage am Eingang zur Turnhalle I eine Decimalwaage zur beliebigen Benutzung für das Publikum aufgestellt. Vermuthlich ist das nicht genügend bekannt und daraus erklärt sich die geringe Benutzung dieser Einrichtung. Die Benutzung der Waage ist bei einem Gewichte unter 5 kg gebührenfrei; bei einem Gewichte von 5-10 kg sind 5 Pfg. Gebühren, bei einem Gewichte über 10 kg 10 Pfg. Gebühren gegen Quittung zu entrichten.
Groß-Breesen, 2. Okt. (Eisenbahnhaltestelle.)
Am Sonntag früh um 6 Uhr 35 Minuten hielt auf unserer neuerrichteten Haltestelle der erste Zug. Die Lokomotiven der beiden ersten Züge waren bekränzt. Zu dem ersten Zuge, der von vielen Kirchgängern aus Breslack, Coschen und Seitwann benutzt wurde, war auch unser Gutsherr und der Pastor erschienen. Der Pastor hielt an die zahlreich aus- und einsteigenden Fahrgäste eine kurze Ansprache, in der er auf die Bedeutung der geschaffenen Verkehrseinrichtung hinwies.
Wackel- und Schiebetänze. Wie wir vor kurzem mitteilten, hat das hiesige Amtsgericht einem Paar, das die unanständigen Wackel- und Schiebetänze tanzte, eine empfindliche Strafe auferlegt. In der gestrigen Sitzung des Schöffengerichts ist nun eine weitere Bestrafung erfolgt. Es hatten sich der 18jährige Klempnergeselle Fritz W. und die 20jährige Arbeiterin Hedwig B., beide aus Guben, zu verantworten, am 12. Mai in einem hiesigen Berglokale gemeinschaftlich durch unsittliche Handlungen Aergernis erregt zu haben. W. hatte sich auch noch einen falschen Namen beigelegt. Die Oeffentlichkeit war während der Verhandlung ausgeschlossen. Zwei Polizeisergeanten waren an dem genannten Tage mit der Kontrolle der Lokale beauftragt worden. Die Beamten sahen, wie die Angeklagten in auffallend unpassender Weise auftraten, worüber einige anwesende Gäste in unverblümter Weise ihr Mißfallen aussprachen. Die Beamten schritten sogleich ein und als ein Polizeisergeant nach seinem Namen frug, nannte er sich Tischlergeselle Fritz Thiele. W. entschuldigt sich nun mit Trunkenheit. Die B. will den Tanz noch nie getanzt haben. Als sie gewahr wurde, was ihr Tänzer beabsichtigte, wollte sie aufhören. Nach der Beweisaufnahme hielt der Amtsanwalt beide für schuldig, durch unzüchtige Handlungen ein öffentliches Aergernis erregt zu haben. W. sei nicht betrunken gewesen und sein Verhalten war besonders unschicklich. Er beantragte gegen W. 2 Wochen Gefängnis und wegen Beilegung eines falschen Namens 5 M Geldstrafe, gegen die B. eine Geldstrafe von 20 M. Der Gerichtshof verurteilte W. wegen eines Sittlichkeitsvergehens zu 30 M, wegen Beilegung eines falschen Namens zu 5 M Geldstrafe; die B. wurde nach dem Antrage ihres Verteidigers freigesprochen. – Werden nun die Wackel- und Schiebetänze aus den hiesigen Tanzlokalen verschwinden?
Die Obstausstellung des Gartenbauvereins findet am Sonnabend, dem 4. Und Sonntag, dem 5.Oktober im Vereinslokal „z. schwarzen Bär“ am Zindelplatz statt. Die Aufstellung des Obstes muß Sonnabend nachmittag bis 5 Uhr beendet sein, danach findet die Bestimmung und Prämiierung statt. Am Sonntag ist die Ausstellung von 10 Uhr vormittags bis abends 9 Uhr für das Publikum gegen 20 M Eintritt geöffnet; von Mitgliedern wird kein Eintrittsgeld erhoben. Ein Verkauf des Obstes kann stattfinden, doch darf dasselbe erst nach Schluss der Ausstellung abgeräumt werden. Für die Preisverteilung sind 150 M bereitgestellt. Diese Summe wurde früher zum Weinlesefeste verausgabt. Wer von den Mitgliedern noch einige Teller Ausstellungsobst hat, bringe sie nach vorheriger Anmeldung möglichst, mit Benennung der Sorten und nicht unter 1Pfd. pro Teller. - In der letzten Sitzung des Gartenbauvereins wurde noch über den Anbau des Advents Gemüses und dessen hohe Verwendbarkeit gesprochen. Ferner wurde ein Aufruf der staatl. Lehranstalt für Gartenbau zu Broskau verlesen: Wie würdest Du es jetzt machen? Welche Sorten würdest Du wählen und in welchem Verhältnis die einzelnen Sorten zueinander setzen, wenn Du Deine jetzige Anlage noch einmal auszuführen hättest und sie gewinnbringend gestalten solltest.
Aus seiner Wohnung entfernt hat sich am 27.Sept. der Hutmacher Michael Mathy, Seitwanner Straße 97 wohnhaft, und ist bis heute nicht dorthin zurückgekehrt. Er ist zuletzt auf dem Wege nach Buderose gesehen worden. R.ist 63 Jahre alt und war bekleidet mit brauner Hose, dunkler Weste und dunklem Jackett, weitem Hut und schwarzen Schnürstiefeln. Sachdienliche Mitteilungen, die zum Auffindung des Vermissten führen können, nimmt die hiesige Kriminalabteilung entgegen.
Das Straßenrennen des Radfahrvereins „Wanderlust“, das am Sonntag nachmittag aus Anlaß der Nagelungsfeier ausgetragen wurde, zeigte eine rege Beteiligung und ließ ein ernstes Interesse für den Radfahrsport erkennen. Von den als Gäste erschienen Vereinen beteiligten sich am Rennen nur die Radfahrer-Vereine „Adler“ und „Wanderlust“ – Frankfurt a. O. Das Ergebnis des 20 km-Rennens ist folgendes: 1. Seeger, 2. Schulz, beide „Wanderlust“- Frankfurt a. O., 3. Karl Kitzke,„Wanderlust“-Fürstenberg. Während der Abwesenheit der Fahrer wurde das 3 km – Damenfahren ausgetragen, das mit großer Aufmerksamkeit verfolgt wurde. Als erste Fahrerin ging Frl. Zirkem durchs Ziel. In kurzem Abstand folgte Frl. Zedlitz, letztere war nach fachmännischer Ansicht die bessere Fahrerin , wurde aber durch einen kleinen Zwischenfall, der glatt verlief , an dem Sieg verhindert. Um 3 Uhr kam das 12 km Touren – Rennen zum Austrag. Das Ergebnis war folgendes: 1. Hölzke, „Wanderlust“- Fürstenberg a. O. 2. Urban , „Wanderlust“- Fürstenberg a. O., 3. Kossar, „Abler“-Fürstenberg a. O., 4. Erich Finte, „Abler“- Fürstenberg a. O. Nach dem sportlichen Teil folgte die feierliche Nagelung des Banners und die übrigen Unterhaltungen. Das Fest verlief in bester Weise.