die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Einen Steinpilz von seltener Größe und außergewöhnlichem Gewicht fand gestern, wie uns mitgeteilt wird, ein Anwohner der Schögelner Straße. Der Pilz maß in der Höhe etwa 30 Zentimeter, hatte die Stärke eines Armes und wog ca. 1200 Gramm. Soweit es scheint, ist das Exemplar vollständig gesund.
Gubener Ruder-Klub. Das gestrige Dauerwettrudern über 7 km (3 ½ stromab, 3 ½ stromauf) zeitigte äußerst günstige Erfolge. Gelang es schon Boot 1 die besten Zeiten der vorhergehenden Jahre (1907: 41 Min. 42 Sek., 1908: 39 Min. 33 2/5 Sek. 1909 konnte das Rennen wegen schlechten Wasserstandes nicht gefahren werden) bedeutend zu drücken, so schnitten Boot 2 und Boot 3 noch günstiger ab. Ersteres gebrauchte nur 36 Min. 36 Sek. Und Boot 3 gar nur 35 Min. 44 Sek. Es ist dies gegen das beste Resultat des Jahres 1907 eine Verbesserung von 6 Minuten. Der z.Zt. günstigste Wasserstand dürfte zum Teil zu den guten Resultaten beigetragen haben, trotzdem ist mit Genugtuung festzustellen, daß die Rudertechnik und die Kunst des Steuerns (auf der Neiße kann von einer Kunst gesprochen werden) sich im Laufe der Jahre äußerst vervollkommnet hat.
Russische Kriegsgefangene bei Guben. Gestern abend zwischen 9 und 10 Uhr wurde es in der Stadt bekannt, daß der erste Transport russischer Kriegsgefangener auf dem Bahnhof angekommen ist. Die dritte Kompagnie des hiesigen Landsturmbataillons wurde sofort alarmiert und mit fröhlichem Gesang marschierte sie um 10 Uhr vom Schützenhause zum Bahnhof, wo die Russen – es waren 1800 Mann – in Empfang nahm. Die mitgekommenen leicht verwundeten wurden in Guben ins Lazarett gebracht, während die übrigen unter der Bedeckung unserer Landsturmmänner in geschlossenem Zuge transportiert wurden; gegen 2 Uhr gelangte man dort an und verbrachte die Nachtstunden auf dem Felde, so gut es ging. Am Bahnhof, an der Seite des neuen Viehmarktes, standen zahlreiche Menschen und staunten die Gefangenen an. Hier und da konnte man es nicht unterlassen, ungehörige Bemerkungen zu machen, allen Ausfällen wurde aber von vernünftigen Leuten sofort energisch entgegengetreten.
Heute morgen entwickelte sich im Lager schon in frühen Stunden ein reges Leben, denn die Gefangenen mußten sich an den Arbeiten zur Herstellung der Baracken beteiligen. Das Lager ist in einem weiten Umkreise durch einen hohen Stacheldrahtzaun abgegrenzt. Der Zutritt ist streng verboten. Vor dem Eingang standen nur wenige Zuschauer und schauten dem Treiben, das immerhin etwas Charakteristisches an sich hat, zu. Alle Gefangenen gehörten der Infanterie an, die u.a. der Armee von Hindenburg gegenüber stand und von ihr so siegreich überwunden wurde. Man sieht auf den grau-grünen Uniformen und Mänteln die verschiedensten Regimentsnummern. Im allgemeinen machen die Gestalten keinen schlechten Eindruck, wenn auch verschiedene stupide und stumpfsinnige Physiognomien sichtbar werden, so gehört doch der weitaus größere Teil zu den intelligenteren Soldaten. Es sind mehrere dabei, die geläufig deutsch sprechen, daher ist eine gute Verständigung zwischen dem Kommando und den Gefangenen möglich. Die Verpflegung auf dem langen 24stündigen Transport war sehr knapp, sodaß die Russen argen Hunger verspürten, der auch heute vormittag von ihnen noch geäußert wurde. Soweit es möglich war, wurde ihnen warmes Getränk verabreicht, Brot kam erst gegen 11 Uhr an, über das sie dann begierig herfielen.
