die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Heute haben wir den Siebenschläfertag. Der Siebenschläfer hat gleich vielen anderen Tagen seinen Namen aus der Kirchengeschichte. Nach alten Überlieferungen verbargen sich die sieben Märtyrer Maximanus, Malchus, Martinianus, Diopnysius, Johannes, Serpion und Constantinus im Jahre 251 n. Chr. In einer Felsenhöhle, um den Verfolgungen des römischen Kaisers Dezius zu entgehen. In seinem Zorn ließ Dezius diese Höhle vermauern. Die sieben Märtyrer aber verfielen in einen tiefen Schlaf, so daß sie weder Speise noch Trank bedurften und erst 446 n. Chr. wieder aus diesem Schlafe erwachten. In dieser Zeit aber herrschte der milde Kaiser Theodosius II. Ob dieses Wunders wurden die sieben Märtyrer heilig gesprochen und der 27. Juni, der Tag ihres Erwachens, zu ihrem ewigen Andenken, kalendarisch festgesetzt. Der Volksglaube knüpfte an diese Legende den Glauben, daß wenn es am Siebenschläfer regnet, es während der nächsten sieben Wochen weiter regnen muß. Wörtlich heißt die betreffende Bauernregel: „Regnets am Tag der Siebenschläfer, so regnet es noch sieben Wochen.“ So wenig sich diese alte Wetterregel auch bewahrheitet hat und so oft auch schon die Unglaubwürdigkeit derselben nachgewiesen worden ist, man ist wieder gar zu gern geneigt, am 27. Juni mit prüfendem Blick zum Himmel zu schauen und die Wolkengebilde mit gespannter Aufmerksamkeit zu betrachten. Und mit dem Laubfrosch, der wohlgemuth in seinem Glashause sitzt, werden ob seiner wetterprophetischen Talente so enge Beziehungen angeknüpft, daß der treue Bello, welchem man am Siebenschläfer höchstens daraufhin einige Beachtung schenkt, ob er – statt an einem Knochen herumzuknabbern – lieber Gras frißt, - daß dieser Bello schier eifersüchtig auf den grünbefrackten Gesellen in seiner gläsernen Villa werden möchte. Und je nachdem die Wetterorakel ihren Spruch verkünden, je nachdem die Wolken sich nicht als mittheilsam erweisen oder die „Ausschüttung der Masse“ herbeiführen, je nachdem legt sich auch das Antlitz der Beobachter in düstere Falten, oder sie träumen für die nächsten sieben Wochen von lachendem Sonnenschein und balsamischer Luft. So mancher Unfug ist und wird heute noch mit Wetterprophezeihungen getrieben. Die Geschichte der Wetterprognosen giebt darüber manchmal Ausweis. Astrologischer Aberglauben und heidnische Culte bildeten die Basis des 1654 von dem Bamberger Abt Mauritius Knauer verfaßten Volksbuches, welches Calendarium perpetuum betitelt war. Die Reminiscenzen dieses Buches, das eine ungeheuere Verbreitung gefunden haben muß, sind in verschiedene, sogar wissenschaftliche Werke übergegangen und haben sich in der Form von Sprüchen und Reimen fest in das Volksgedächtnis eingeprägt.
Welches Interesse sich gegenwärtig dem Andenken Corona Schröters zuwendet, ist aus der hohen Schätzung der einzelnen Stücke ihres literarischen Nachlasses zu erkennen. Auf der letzten Berliner Handschriftenversteigerung wurde ein Brief der Künstlerin an ihre Schwester mit 276 Mark bezahlt; es ist dies ein Preis, der den Autographen literarischer und politischer Größen ersten Ranges entspricht.


Aus Guben und Umgebung
Dem Stadtmuseum sind in letzter Zeit von hiesigen Bürgern in dankenswerter Weise wieder eine Anzahl wertvoller Geschenke überwiesen worden. So hat Herr Gasthofbesitzer Oskar Brunsch, Königstraße, die Sammlungen durch Ueberweisung eines Schiffchens, das Wahrzeichen der alten Schifferzunft, bereichert. Frau Rentier Auguste Straße, Werdermauer, hat einen hübschen zinnernen Humpen mit Emblemen der Tuchmacher, der Tuchausschneider, der Handschuhmacher und anderer Zünfte gestiftet. Herr Fabrikbesitzer Wilhelm Köhler, Berliner Straße, schenkte einen Eisen-Untersatz mit kunstvollen mittelalterlichen Schmiedeformen. Außerdem ist durch Erwerb eine Anzahl reich verzierter, mittelalterlicher Beschläge in Barockform in den Besitz des Museums übergegangen. Man ist gegenwärtig dabei, diese Beschläge, um sie dem Museumsbesucher in anschaulicher Weise vorzuführen, geeigneten Schränken und Vitrinen anzupassen. Wenn auch nicht zu verkennen ist, daß all diese mannigfache Kleinarbeit zeitraubend ist, so ist es andererseits erfreulich, wahrzunehmen, mit welcher Liebe und Sorgfalt und welchem Sachverständnis an der Einrichtung unseres Museums gearbeitet wird, um es zu einem wirklichen Schmuckkästchen zu gestalten.
Der heutige Siebenschläfertag gilt nach uraltem Volksglauben als Haupt-„Lostag“ für die kommende Sommerwitterung. Wenn es heute regnet, soll es angeblich sieben Wochen regnen; wenn es trocken bleibt, soll der Sommer schön werden. In dieser Form ist der Siebenschläfer-Glaube natürlich krasser Aberglaube, der in den letzten Jahren wiederholt widerlegt worden ist. Den sehr heißen und abnorm dürren Sommern der Jahre 1904 und 1911 ging ein Siebenschläfer mit Regen voraus; auf den sehr schönen und völlig regenlosen Siebenschläfer 1907 folgte hingegen der schauderhafteste Regensommer neuerer Zeit! Also an sich ist es vollkommen gleichgültig, ob es heut regnet oder nicht. Trotz der Gewitterschwüle, die heute hier herrschte, kam es, wenigstens bis zu den Abendstunden, zu keinem Wolkenbruch. Mancherlei Anzeichen sprechen auch dafür, daß wir mit dem Juli, dem Ernte-, Reise- und Ferienmonat, vorwiegend trockenes und warmes Wetter erhalten werden.
Ein Morgenständchen wurde heute dem Herrn Ersten Bürgermeister Dr. Glücksmann anläßlich der Uebersiedlung seiner Familie nach Guben durch das Gubener Konzert-Orchester unter Leitung des Herrn Musikdirektors A. Luther gebracht. Herr Luther überreichte der Familie ein Programm mit Widmung. Auf Wunsch spielte die Kapelle zum Schluß noch das „Dankgebet“ von Kremser.
Vom Wetter. Während der vergangenen acht Tage blieb die Witterung in ganz Europa sommerlich warm, wenn es zu einer ausgesprochenen Beständigkeit des Wetters auch noch nicht kam. Die Erwärmung hatte sich aber inzwischen bis in den höchsten Norden des Erdteils verbreitet, so daß die Windrichtung, die zeitweilig aus nördlichen Komponenten zusammengesetzt war, die Temperaturverhältnisse nicht mehr sonderlich zu beeinträchtigen vermochte. Im Hinblick auf die gegenwärtige Luftdruckverteilung ist zunächst eine weitere Erwärmung in ganz Mitteleuropa unmittelbar bevorstehend. Die Erhitzung dürfte schon an der Wochenwende in den westlichen Gebietsteilen ziemlich bedeutend werden, worauf wieder Gewitter, die sich ostwärts ausbreiten werden, zu erwarten sind.
Zur Eröffnung des Säuglings-Fürsorgeheims in Guben. Zur Feier des 25jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers und Königs am 16. Juni 1913 hat bekanntlich die Stadt Guben, gestützt auf die Opferwilligkeit ihrer Bürger, eine Reihe bedeutsamer Wohlfahrtseinrichtungen errichtet, um auf diese Weise der Verehrung für ihren Landesherren und den Gefühlen des Dankes und der Freude in einer von dem hohen Jubilar gewünschten Weise Ausdruck zu verleihen. Die bedeutendste der aus diesem Anlaß entrichteten Wohlfahrtseinrichtungen ist neben dem von Herrn Fabrikbesitzer Max Wilke für die schulentlassene Jugend gestifteten Heim an der Bahnhofstraße und der aus städtischen Mitteln vollzogenen Umgestaltung der Schreiber´schen Wiesen zu einem neuzeitlichen Sportplatz die Errichtung eines Säuglings-Fürsorgeheims, zu dem der Grundstein am 16. Juni v. Js. gelegt wurde und das am 1. Juli d. Js. seiner Bestimmung übergeben werden soll in zeitlicher Verbindung mit der 25. Jahresversammlung des brandeburgischen Provinzialvereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke… Das Säuglings-Fürsorgeheim ist errichtet auf dem von der Stadt erworbenen ehemals Lüdick´schen Grundstück zwischen der Alten Poststraße (Nr. 42) und dem Poetensteig und soll, wie es in der Grundsteinsurkunde heißt, dazu dienen, unserem Nachwuchs eine bessere Pflege und ein gesünderes Heranwachsen zu sichern, insbesondere denjenigen Frauen, die als Fabrikarbeiterinnen in der hiesigen Industrie, besonders zahlreich in der Hut- und Tuchindustrie, beschäftigt sind, die Möglichkeit zu bieten, ihren Säuglingen eine sachgemäße Wartung angedeihen zu lassen…[Es folgt eine ausführliche Beschreibung der Nutzungsmöglichkeiten des Gebäudes.]

Kein Gemüse mit Kraut. Die Reichsstelle für Gemüse und Obst. Verwaltungsabteilung, hat verfügt, daß künftighin Rhabarber nur noch mit einem Blattansatz bis zu 3 Zentimeter, Mairüben, Möhren und Karotten überhaupt nicht mehr mit Kraut gehandelt werden dürfen. Für die drei Gemüsesorten gilt eine Ausnahme nur insofern, als hier der Absatz mit Kraut noch für den Fall zugelassen ist, daß die Ware vom Erzeuger mit Fuhrwerk und dergleichen auf kurze Entfernungen – ohne Benutzung der Bahn – an die Absatzstelle, besonders auf öffentliche Märkte, gebracht wird. Im Vorjahre hat die Verladung dieser Gemüse mit Kraut vielfach zu Unzuträglichkeiten geführt und schlechtes Eintreffen der Ware am Bestimmungsort verschuldet.