die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Was der Deutsche ißt, diese Frage ist nicht minder interessant, als die, was er trinkt. An der Hand der Statistik läßt sich ein ziemlich klares Bild von dem Durchschnittsverbrauch wenigstens einzelner Lebensmittel gewinnen, wenn auch für andere, so zum Beispiel die für die Ernährung wichtigen Gemüse, jeder Anhalt fehlt. Beginnen wir mit den in diesen Tagen heiß umstrittenen landwirthschaftlichen Producten, dem Roggen und dem Weizen. Nach amtlichen Angaben standen in dem Erntejahr 1899/1900 pro Kopf der Bevölkerung 144,6 kg Roggen und 89,8 kg Weizen zur Verfügung. Da diese Getreidemenge aber nicht ausschließlich der menschlichen, sondern daneben auch noch der thierischen Ernährung und gewerblichen Zwecken zu dienen bestimmt war, stellte sich das pro Kopf der Bevölkerung vorhandenen Brodgetreide wesentlich niedriger. Von amtlicher Seite wurde vor etwa einem Jahr der zu Nahrungszwecken erforderliche Getreidebedarf auf etwa 180 kg pro Kopf und Jahr ermittelt. Aber „der Mensch lebt nicht vom Brod allein; es muß auch Wurst und Schinken sein“ wie die bekannten geschmackvollen Verse besagen. Der Deutsche verbraucht gegenwärtig im Jahre etwa 40 kg Fleisch. Zum Würzen der Speisen sind alljährlich pro Kopf der Bevölkerung 7,8 kg Salz erforderlich, zu denen noch 160 g ausländische Gewürze treten. Einer immer mehr steigenden Beliebtheit erfreut sich der Reis. Sein Konsum ist im Laufe von zwei Menschenaltern von 330 g auf nahezu 2 ½ kg gestiegen, also fast auf das achtfache. Auch der Hering weist einen zunehmenden Verbrauch auf. In dem eben genannten Zeitraum hat sich sein Konsum mehr als verdoppelt, so daß zuletzt 3,3 kg auf jeden Einwohner entfielen. An Südfrüchten kamen im Jahre 1900 auf den Kopf nicht ganz 2 kg, ihr Verbrauch hat sich in 60 Jahren auf nahezu das Dreißigfache gesteigert. Schließlich sei, als zum Haushalt, wenn auch nicht zu den Lebensmitteln gehörig, auch auf den gewaltig gesteigerten Petroleumverbrauch hingewiesen. Noch am Ende der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, für welche die ersten statistischen Angaben vorliegen, kann auf den Kopf nur 1,87 kg, 1900 dagegen bereits 16,97 kg, also etwa das Neunfache! Und das ist geschehen gegenüber der doppelten Konkurrenz von Leuchtgas und Electricität.
Personendampferfahrten. Vom nächsten Sonntag an werden regelmäßige Sonntagsdampferfahrten nach Ratzdorf und Schiedlo stattfinden, und zwar morgens um 8 Uhr und nachmittags 2 Uhr. Die Eröffnungsfahrten am Sonntag werden sogar mit Musik begleitet sein. – Diese Dampferfahrten sind für Guben etwas neues und dürften mit größtem Interesse begrüßt werden.
Das große Fischsterben. Aus Ratzdorf geht dem „Kreis-Anz.“ folgender Bericht zu: „Große, aber auch gerechte Empörung herrscht unter den Fischern der hiesigen Gegend. Seitens einiger Gubener Fabriken scheint die Neiße durch Hineinlassen von Fabrikgewässern durch und durch verpestet worden zu sein, denn an den Flußrändern wurden tausende von toten Fischen in ansehnlicher Größe angeschwemmt. Infolge der Hitze verbreiten die toten Fische einen schauderhaften Geruch und es wäre zu wünschen, wenn die Behörde energische Maßregeln gegen die schuldigen Fabriken ergreifen würde. Selbst der Fischsamen dürfte auf Jahre hinaus vernichtet worden sein.“ – Leider ist die Vernichtung der Fische auch im Gubener Bereich in der unteren Neiße beobachtet worden. In Buderose hat man Fische, die noch Lebenszeichen von sich gaben, aus dem Neißewasser herausgenommen und in frisches Wasser gesetzt. Beim Herausnehmen bemerkte man Wollfasern zwischen den Kiemen. Hieraus ist ersichtlich, daß die Fische zum Teil auch erstickt sind. Der Berichterstatter in Ratzdorf erhebt aber Beschuldigungen gegen die Gubener Fabriken, für die sich ein Beweis nicht erbringen lassen wird. Die Gubener Fabriken leiten keine giftigen und unreinen Abwässer in die Neiße. Die Entwässerung ist hier im Wege der Kanalisation geregelt. Schon vor drei Jahren hat man in der Oberneiße die traurige Erfahrung gemacht, daß die Fische in Massen vernichtet wurden und tot an der Oberfläche schwammen. Die Verunreinigung des Wassers muß also von oben her kommen. In letzter Zeit sind die Wehre an der Oberneiße geöffnet worden, wobei der unreine Schlamm sicher weiter talwärts getrieben wurde. Da nun in letzter Woche das Wasser in der Unterneiße sehr flach war, ist anzunehmen, daß sich der giftige Schlamm dort festgesetzt und die Fische geschädigt hat. Wie wir hören, hat der königliche Landrat Anzeige erstattet, sodaß die Gelegenheit weiter untersucht wird.

Der 19 jährige Arbeiter Fritz Or. aus Guben hatte sich wegen Hehlerei zu verantworten. Von einen Altersgenossen, der nicht zu ermitteln ist, hatte er eine Partie Streichhölzer, welche derselbe bei einem Einbruch in der Frankfurterstr. erbeutet hatte, übernommen und sie in Riemaschkleba weit unter dem regulären Preis verhausiert. Er will keine Ahnung gehabt haben, daß es Diebesgut war, vielmehr habe ihm sein Freund gesagt, es sei Schieberware. Von dem Erlös sollte er diesem 10M abgeben. Das Gericht schenkte seinen Angaben keinen Glauben, es verurteilte ihn vielmehr, gemäß dem Antrag des Staatsanwalts, zu 2 Wochen Gefängnis.