die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Bauernregeln für den Monat September.
Ist Aegidi (1.) ein heller Tag, ich dir schönen Herbst ansag´
Ist´s am 1. September hübsch rein, wird´s den ganzen Monat sein.
Septemberregen kommt Saaten und Reben gelegen.
Wie an St. Aegidius, vier Wochen das Wetter bleiben muß.
Nach Septembergewittern wird man im Hornung vor Kälte zittern.
So der nächste März wie der September, so der Juni wie der Dezember.
Späte Rosen im Garten lassen gelinde Winter erwarten.
Ist der Herbst sehr schön, muß man im Winter lange im Pelze geh´n.
Wie sich´s Wetter um Mariä Geburt (8.) thut verhalten, so soll sich´s weiter vier Wochen gestalten.
Viel Gewitter im September, viel Schnee im März und ein reiches Kornjahr allerwärts.
Matthäi Wetter hell und klar machet ein gutes Weinjahr; wenn Matthäus weint statt lacht, er statt Wein den Essig macht.
So viel Reif und Schnee vor Michaelis, so viel dann nach Walpurgis.
Halten die Zugvögel lange bei uns aus, so ist auch ´s gute Wetter noch nicht aus.
Zu Michaeli Wind von Nord und Ost, bedeuten starken Winterfrost.
Viel Eicheln im September, viel Schnee im Dezember.
Fallen die Eicheln vor Michaelis ab, geht´s mit der Wärme schnell bergab. Warme Nächte bringen Herrenwein, bei kühlen Nächten wird er sauer sein. Wer Korn schon um Aegidi sät, nächstes Jahr viel Frucht abmäht.
Wenn Hennen viel im Sande wühlen, ist´s daß sie Sturmes Nahen fühlen.
Sieht man die Zugvögel zeitig zieh´n, bedeutet´s, daß sie vor Kälte flieh´n.
Der Hopfenblüte starkwürzigen Duft verkündet trockne, warme Luft.
So lange der Kiebitz noch nicht weicht, ist milde Witterung angezeigt.
Der erste Reif bei Vollmond droht den Blättern und den Blüten Tod.
Zieht´s Eichhorn still ins Winternest, wird bald die Kälte hart und fest.
Sind Michel noch die Vögel da, so ist der Winter noch nicht nah.
Scharren die Mäuse tief sich ein, wird ein harter Winter sein und sogar viel härter noch, bauen die Ameisen hoch.
Stehen zu Michaelis die Fische hoch, kommt viel schönes Wetter noch.
Wenn viel Spinnen kriechen, sie schon den Winter riechen.
Wittert´s im September noch, liegt im März der Schnee noch hoch.
Ein Herbst, der rein und klar, ist gut fürs nächste Jahr.
Michaeliswein ist Herrenwein, Galluswein ist Bauernwein (16. Oktober). Septemberdonner prophezeit vielen Schnee zur Weihnachtszeit.
Vergeßlich. Eine Steinkruke mit Schnaps ist heute vormittag auf dem Markte vergessen worden. Dem vergeßlichen Eigenthümer wollen wir verrathen, daß sie bei der Polizei gut aufbewahrt wird.
Obstdiebstähle. Wie in früheren Jahren, so wird auch diesmal wieder über Obstdiebstähle Klage geführt. Ein Grundbesitzer an der Grünstraße hat auf die Ermittlung der Spitzbuben eine Belohnung bis zu 20 Mark ausgesetzt. Es ist wieder einmal daran erinnert, daß Obstdiebstähle an Obst in größeren Mengen mit Gefängnis geahndet werden.
Eine größere Schlägerei entstand gestern unter den Gästen eines hiesigen Bierlokals. „Frühlingsbrüder“ waren mit einigen auswärtigen Herren in Streit geraten, der bald in Tätlichkeiten ausartete. Da es den Anwesenden nicht gelang, die Ruhe wieder herzustellen, mußte der Nachtwächter gerufen werden. Erst nachdem dieser die Waffe gezogen, räumten die Kampfhähne das Feld. Der Tumult hatte bis gegen 2 Uhr nachts gedauert.
Die Luftschiffhalle in Schenkendöbern war gestern das Ziel von vielen Hunderten von Menschen. Wer sonst die Guben-Cottbuser Chaussee passiert ist, hat sicherlich nicht geahnt, daß die Anhöhe von Schenkendöbern auf der Strecke nach Bärenklau dereinst der Anziehungspunkt so vieler Menschen noch werden wird. Wer gestern von dieser Anhöhe aus den Blick nach Guben wandte, mußte staunen, wie es auf dieser Chaussee von Menschen wimmelte; es war ein fortwährendes Kommen und Gehen von morgens früh bis abends spät. Wenn es auch manchem Fußgänger schwer fiel, bis er jene Anhöhe erreicht hatte, so freute er sich doch des Anblickes, der sich hier seinem Auge bot. Eine solch riesenhafte Luftschiffhalle bekommt man nicht alle Tage so leicht zu sehen.- Nachdem, wie schon berichtet der äußere Aufbau der Luftschiffhalle in den letzten Tagen fertiggestellt worden war, ging es am Sonnabend an die innere Einrichtung. Es wurden zunächst die Wände von innen verstärkt und abgesteift. Danach wurde in der ganzen Länge der Halle ein etwa 12 Meter breiter und 2 1/2 Meter tiefer Graben ausgehoben, um für den Laufsteg und die Kabine des Luftschiffes Raum zu gewinnen. Die Ausschachtungsarbeiten werden heute, Montag, fortgesetzt. Abends, wenn die Mannschaft ins Quartier abrückt, zieht eine Wache auf, die nach dem Eintreffen des Luftschiffes bis auf 30 Mann verstärkt wird. Voraussichtlich wird der „P.3“ am Mittwoch in Schenkendöbern eintreffen. Die Stunde ist noch nicht bekannt.- In der Wirtschaft zu Schenkendöbern fand am Sonnabend ein vom Militär veranstaltetes Tanzvergnügen statt, zu dem zahlreiche junge Mädchen aus Schenkendöbern und den benachbarten Ortschaften sowie aus Guben sich eingefunden hatten.
Fundgegenstände. In der Zeit vom 27. Juli bis 28. August 1918 sind nachstehende Fundgegenstände bei der von Fundmeldestelle Markt 12 , Zimmer 2 und 3, abgegeben worden: 1 Kindergummischuh, 1 gelbe Halskette, 1 Kneifer, 1 weißes Taschentuch, 1 schwarze Weste, 1 Kinderlätzchen, 1gold. Trauring mit Zeichen, 1 gold. Knopf von einer Mütze, 1 Bund Schlüssel, 1 Handtäschen mit Inhalt, 1 Kindersaugpfropfen, 1 Knabenmütze, 1 Portemonnaie mit Inhalt, bares Geld, 1 Geldschein, 1 leeres Portemonnaie, 1 Schirm.
Gesangskonzert. Zum Schlusse der Sommerzeit treten die beiden Vereine „Gesangverein“ (gem. Chor) und „Liedertafel“ (Männerchor) am Donnerstag im Garten des Schützenhauses noch einmal zusammen, um ihrerseits die Schönheit des Sommers und des Frühlings, wie überhaupt der Natur noch einmal zu besingen. Der eigenartige Zauber, den die Macht des Gesanges umgibt, wird auf die Besucher seine Wirkung nicht verfehlen. Gesang erfreut das Menschenherz, und da das Menschenherz in der heutigen wenig erfreulichen Zeit freudiger Anregung bedarf, werden gewiß zahlreiche Besucher zusammenkommen, um sich die Herzensfreude zu verschaffen. Das städtische Orchester füllt einen Teil der Spielfolge mit aus und bereichert mit seinen Gaben den abwechslungsreichen Abend. Eintrittskarten sind an der Abendkasse erhältlich: das Konzert findet bei ungünstiger Witterung im Saale statt.
Ein tödlicher Unfall ereignete sich gestern abend auf dem hiesigen Bahnhof bei Einfahrt des von Sommerfeld 7 Uhr 19 Min. hier eintreffenden Personenzuges. Eine Frau Hertha Fuhrmann aus Frankfurt a.O., Große Scharrnstraße 58, die in Guben bei ihrer Schwester wegen Erbschaftsregulierung zu tun hatte, wollte abends nach Frankfurt zurückfahren. Bevor noch der Zug hielt, versuchte sie in ein Abteil zu gelangen, kam aber beim Erfassen des Messinggriffes zu Fall und geriet dabei unter den Zug, der ihr beide Beine abfuhr. Der Tod trat auf der Stelle ein. Die Ueberführung der Leiche nach Frankfurt a.O. erfolgt sofort nach Freigabe durch die Staatsanwaltschaft. Der betrübende Unfall ist auf eigene Unvorsichtigkeit der Betroffenen zurückzuführen.