die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Für die Einweihung des Bismarckturmes ist der Sedantag, der 2. September, festgelegt. Folgendes Programm ist vorläufig dazu aufgestellt worden.
Die Eröffnungsfeier findet um 4 Uhr nachmittgs am Turm statt, die Festrede hält hier Oberbürgermeister Bollmann. Um ½ 8 beginnt die Beleuchtung des Turmes. Um 8 Uhr findet ein Festkommers im Restaurant Sansouci statt, bei dem Prinz Carolath einen Trinkspruch auf den Kaiser ausbringen wird. Herr Justizrat Hoemann hält die Festrede und Herr Stadtverordnetenvorsteher Gymnasialdirektor Dr. Hamdorff einen Trinkspruch auf das Werk. Bei der Feier wird auf rege Beteiligung aus der Bürgerschaft, von Korporationen, Vereinen, Deputationen, von Schülern der oberen Klassen usw. gerechnet.
Die hellen Nächte haben jetzt ihr Ende erreicht. In unserer Breitenzone tritt der mitternächtige Dämmerungsbogen am nördlichen Horizont zuerst am 15. Mai auf. Am 22. Juni hat er seine größte Intensivität erreicht und am 20. Juni verschwindet er wieder. Diese Erscheinung erklärt sich daraus, daß die Sonne am 15. Mai weniger wie 18 Grad unter den Horizont tritt, am 22. Juni bei ihrem Untergange den höchsten Stand erreicht und am 29. Juli wieder zum ersten Male volle 18 Grad unter den Horizont sinkt, womit auch für den Norden völlige Dunkelheit eintritt, sofern nicht der Mond mit seinem schwachen Licht diese Dunkelheit mildert. Das Ende der hellen Nächte läßt allmählich den Herbst vorahnen.
Bratäpfel frisch vom Baum.
In der Sonnabendnummer unserer Zeitung gaben wir unter „Vermischtes“ eine Zuschrift an die Köln. Ztg. wieder, in der geschildert wird, daß in diesem heißen Sommer das Obst auf der Sonnenseite Brandflecken aufweist, sodaß man von „Bratäpfeln frisch vom Baume“ sprechen könne. Wir waren geneigt, die Erzählung für ein Produkt der Hundstage zu halten, wurden aber durch einen hiesigen Gärtner belehrt, daß in diesem anormal heißen Sommer das Obst tatsächlich auf den Bäumen brate. Herr Gärtnereibesitzer Weber übersandte uns zum Beweise hierfür „frisch vom Baum“ zwei Zuckerbirnen, die zu einem Drittel bis auf das Kerngehäuse gebraten, also nicht etwa angefault oder überreif waren und die beim Durchschneiden und Essen auch den Geruch und den Geschmack von gebratenen Birnen hatten.
Mit dem Abbruch der Lubstbrücke wurde bereits heute morgen begonnen, nachdem gestern die Leitungsmasten der Elektrischen Eisenbahn an der Brücke beseitigt bezw. Versetzt worden waren.
Das Untersuchungs-Ergebnis über den Untergang der Titanic am 15. April d. Js. besagt, daß die Katastrophe erfolgte, weil der Dampfer infolge übermäßiger Geschwindigkeit an einem Eisberg scheiterte und überdies die Vorkehrungen in Bezug auf Rettungsmittel, insbesondere die Anzahl sowie die Bemannung und die Flottmachung von Rettungsbooten unzureichend waren. Die eigentliche Ursache des Unterganges der „Titanic“ wird darin gefunden, daß das britische Handelsamt seine gänzlich veralteten, aus dem Jahre 1894 stammenden Bestimmungen über die Sicherungsvorkehrungen der Passagierdampfer nicht in Berücksichtigung der vergrößerten Schiffsdimensionen abgeändert hat. Kapitän Smith habe einen bedauerlichen Fehler begangen, nachts bei Eisberggefahr unter Volldampf zu fahren; doch könne man ihm diesen schlechten Seebrauch nicht als Verschulden anrechnen. Was im übrigen das Verhalten der verantwortlichen Persönlichkeiten angeht, so durfte nach dem Urteilsbefund der Kapitän die Funkspruchmeldung über Eisberggefahr nicht an den White Star-Direktor Bruce Isman weitergeben und letzterer durfte die Meldung nicht in die Tasche stecken. Eine moralische Verpflichtung Ismans, zugunsten von Passagieren auf einen Sitz im Rettungsboot zu verzichten, erkennt das Gutachten nicht an. Im einzelnen enthält der Spruch über die „Titanic“-Katastrophe ein vernichtendes Urteil über das beispiellose Verhalten des englischen Dampfers „Californian“. So sagte Lord Mersey in seinen weiteren Ausführungen, die Umstände hätten ihn davon überzeugt, daß das von der „Californian“ gesichtete Schiff die „Titanic“ gewesen sei. Die Nacht sei klar, die See ruhig gewesen. Wenn die „Californian“, die die Notraketen der „Titanic“ gesehen habe, durch das Eis hindurchgefahren wäre, wie sie es ohne ernste Gefahr hätte tun können, so hätte sie wahrscheinlich viele, wenn nicht alle Leben der „Titanic“ gerettet. Das Urteil empfiehlt sodann Verbesserungen der Schotteneinrichtungen, betont, daß das Handelsamt die Ermächtigung bekommen müßte, Grundriß und Kostenanschlag der Schiffe bei Beginn ihres Baues zu prüfen, und erklärt, daß der Ausrüstung eines Schiffes mit Rettungsbooten und Notflößen nicht der Tonnengehalt, sondern die Passagierzahl zu Grunde gelegt werden müßte. – Lord Mersey gibt schließlich dem Wunsch Ausdruck, eine internationale Konferenz möge eine gemeinsame Aktion einleiten, die die Ausrüstung der Schiffe einschließlich der Rettungseinrichtungen und Scheinwerfer sowie die Frage der Aenderung des Kurses bei Eisgefahr zum Gegenstand haben solle.
Warnung vor einem Schwindler. Ein etwa 20 Jahre alter Schwindler erschien gestern in Abwesenheit der Wohnungsinhaberin in einem Hause, schickte die allein anwesenden Kinder angeblich im Auftrage der Mutter nach Mehl und stahl währenddessen Brot, Geld und Brotkarte. Vor ihm wird hiermit gewarnt. Die Finger der linken Hand sollen bei ihm steif sein. Er trug schwarzen Jacketanzug und grauen weichen Hut. Mittellungen zur Feststellung des Schwindlers nimmt die Polizei-Verwaltung entgegen.
Saarau (Schles.), 31.Juli. (Drei Personen an Pilzvergiftung gestorben.)
Schweres Leid wurde über die Familie des Schmiedes Paul Heideler gebracht. Dessen Eltern hatten im Walde Pilze gesucht und bereiteten sich ein Mahl, nach dessen Genuß sie auf das schwerste erkrankten. Trotz ärztlicher Hilfe verstarben sowohl der Vater wie die Mutter und ein Bruder des Benannten.
Sorau. (Ein kleines Abenteuer mit einem Storch) hatte dieser Tage der Pfleger Schulz von hier zu bestehen. Zwischen Rißmenau und Dillendorf gewahrte er am Wiesenrand einen Vertreter der Familie Langbein. Er stieg vom Rade, um mit Freund Adebar, der etwas flügellahm schien, in nähere Beziehurgen zu treten. Dieser verstand aber keinen Spaß, sondern erwiderte das Interesse, das ihm hier entgegengebracht wurde, mit einem kräftigen Stoß seines Storchenschnabels. Schulz wurde so unglücklich am Auge verletzt, daß er ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen musste.