die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Fräulein Buchbindermeister: Eine junge Dame, die seit Jahren auf Veranlassung des Lette-Vereins in Berlin, London, Düsseldorf, Hamburg in der Buchbinderei ausgebildet wurde und zuletzt als Geselle in Hamburg thätig war, hat in dieser Stadt vor Kurzem die gesetzliche Meisterprüfung bestanden. Das Fräulein Meister wird nunmehr nach Berlin übersiedeln und in dem neuen Lette-Hause eine Buchbinderwerkstätte leiten.
Schiffbarmachung der Neiße. Zu dem gestern mitgeteilten Plan der Schiffbarmachung der Neiße von dem Gubener Umschlaghafen bis zur Mündung teilt uns heute die Handelskammer für die östl. Niederlausitz mit, daß nicht ihr, sondern dem Magistrat in Guben der Vorzug gebührt, die Initiative in dieser Angelegenheit ergriffen zu haben. Die Handelskammer sei dabei lediglich nur Hilfsorgan.
Russengrab. Bei den schweren Verwundungen, die einzelne nach dem Gefangenenlager gebrachte Russen erlitten hatten, war es vorauszusehen, daß einige ihre Heimat nicht wiedersehen werden. Gestern sind zwei Russen ihren Verwundungen erlegen. Sie wurden in einem Hain in der Nähe des Buderoser Friedhofs mit einer schlichten Trauerfeier, der eine Abteilung Gefangener beiwohnte, die russische Grabgesänge durchführte, bestattet. Heute wurde bereits ein dritter Gefangener zur letzten Ruhe gebettet. – Der kleine russische Friedhof wird somit ein bleibendes Zeichen für den Völkerkrieg 1914 sein, denn die russische Regierung dürfte den Friedhof später sicher erwerben und unterhalten.
Herbstanfang. Der astronomische Herbstbeginn vollendet in diesem Jahre nur das kalendarisch, was in Wirklichkeit schon längst Ereignis geworden ist. Wohl überschreitet die Sonne erst am heutigen 23.September, um 10 Uhr 15 Minuten vormittags, auf ihrer nach Süden gerichteten scheinbaren Bahn den Aequator, aber schon lange vor der auf dieses Datum fallenden Tag- und Nachtgleiche hat sich der Herbst eingestellt, nachdem ein Sommer verstrichen war, der diesen Namen kaum verdient hat. Seine Eigenart bestand weniger in besonders unfreundlicher oder ungewöhnlich kühler Witterung; aber er zeichnete sich in ganz auffallender Weise durch andauernde Veränderlichkeit und durch jeglichen Mangel an heißen Tagen aus. Diese Veränderlichkeit brachte es mit sich, daß selbst die wenigen warmen Tage am Abend oder in der Nacht noch einen Witterungsumschlag brachten; so konnte sich größere Hitze, die sich ja niemals gleich am ersten Tage einer schönen Wetterperiode, besonders nach vorangegangener Kühle, einzustellen pflegt, überhaupt nicht entwickeln; denn zu einem zweiten beständigen und sonnigen Tage bei einer, weiterer Erwärmung günstigen Windrichtung kam es infolgedessen überhaupt nicht.