die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Der Bau der Bahn Guben-Forst schreitet rüstig vorwärts. In Schlagsdorf und in Groß-Gastrose ist schon mit dem Bau der Bahnhofsgebäude begonnen worden. Die Ausführungen sind dem Maurermeister Walter in Guben übertragen worden. In Gastrose wird ein schönes zweistöckiges Bahnhofsgebäude errichtet. Die Arbeiten gehen schnell von statten, so daß in wenigen Wochen das Hauptgebäude zur Vollendung gelangen wird. Ebenso hat man auch von Groß-Gastrose bis Briesnigk Telegraphenstangen aufgestellt. Vorläufig soll nur Telefonverbindung eingerichtet werden, damit die Bauleitung in Guben sich in kürzester Zeit mit den einzelnen Bauabteilungen verständigen kann. Da die Ernte zum großen Teile vorüber ist, so können die einzelnen Kolonnen bald mit größerer Zahl von Arbeitern die Erdarbeiten fortsetzen. Leider finden sie unangenehme Unterbrechung an den Stellen, an welchen Bauerlaubnis noch nicht erteilt worden ist; die Strecken müssen dann nachträglich fertiggestellt werden. Dennoch hofft man, mit sämtlichen Erdarbeiten im Spätherbste fertig zu sein.
Neue Haltestellen an der Forst- Gubener Bahn. Die nachträglichen Bemühungen der Gemein-den Horno und Mulknitz um Erlangung je einer Haltestelle an der Forst - Gubener Bahn sind von Erfolg gewesen, sodaß die baldige Eröffnung der genannten Haltepunkte zu erwarten ist. Die zu errichtenden Gebäude sind bis zum ersten Oktober fertig zu stellen. Sie sind in kleine-rem Maßstabe aus Fachwerk mit einseitigem Dach gebaut und enthalten einen geräumigeren Warte- nebst kleinem Dienstraum. Beamtenwohnungen sind nicht vorgesehen. Güterverkehr werden die neuen Haltestelen nicht erhalten; zu dem Zwecke sind die Nachbarstationen Bries-nigk und Grießen zu benutzen.
Eine außerordentliche Versammlung der Fleischerinnung beschäftigte sich gestern Abend im Feldschlößchen mit der Viehteuerung und der Fleischnot. Es werden allgemein bittere Klagen vorgebracht über die enormen Preise des Schlachtviehs und über die Schwierigkeit der Be-schaffung von Vieh in ausreichender Menge, da auf dem Lande großer Mangel an schlachtrei-fen Tieren herrscht. mehrere Fleischermeister werden sich an der großen Protestversammlung beteiligen, die Mittwoch, de. 6. d. M., in Berlin stattfinden wird und zu der die Fleischermei-ster bzw. die Innungen aus dem ganzen deutschen Reiche eingeladen haben. Einige hiesige Fleischer haben ihren Betrieb bereits eingestellt. Es wurde in der gestrigen Versammlung der Antrag gestellt, sämtliche Fleischer der Stadt sollen ihre Geschäfte schließen.

Das Gerücht, dass der Kaiser gestern Mittag im Automobil unsere Stadt passiert habe, war gestern verbreitet und wurde von Personen, die ihn erkannt haben wollten, hartnäckig aufrecht erhalten. Ist es wirklich nötig, ein solches Gerücht für falsch zu erklären? Es sei hiermit geschehen. Der Kaiser weilte gestern den ganzen Tag in Berlin und fährt erst morgen nach Breslau ab. Entstanden war das Gerücht dadurch, dass gegen 2 Uhr Nachmittag zwei Automobile mit militärischen Insassen hier durchfuhren, die sich auf dem Wege nach Sommerfeld befanden, was aus der Auskunft zu hören war, die der ein Chauffeur von einem Herrn auf der Frankfurterstraße erhielt.
Seltene Fruchtbarkeit. Nicht nur die Getreide-, Heu- und Obsternte ist in diesem Jahre gut, sondern auch die Kartoffelernte verspricht reichliche Erträge. Sahen wir doch in diesen Tagen Kartoffeln aus Niemtzsch, aus dem „Heiligen Lande“, von denen eine 630, eine andere sogar 725 Gramm wog, und solcher Kartoffeln befanden sich 18 bis 20 an einer Staude. Es ist somit dafür gesorgt, dass die Fruchtpreise im wohltuenden Gegensatz zu den hohen Fleischpreisen niedrig bleiben,
Altweibersommer. Der sogenannte „Altweibersommer“ ist gegenwärtig an der Herrschaft. Alle charakteristischen Eigentümlichkeiten dieser alljährlich wiederkehrenden Besonderheit unseres Klimas sind diesmal in besonders scharf ausgeprägter Weise vorhanden: der gleichmäßige und hohe Barometerstand, die völligen Wolkenlosigkeit des Himmels, die nahezu vollkommene Ruhe der Luft und die hochsommerlichen Wärmegrade. Seit 1901 haben wir keinen so prachtvollen Spätsommer mehr gehabt, denn in den folgenden Jahren gelangte er nie zur vollständigen, ungehinderten Entfaltung, und war nur ansatzweise und wenige Tage lang zu verspüren. Auffallend ist der bisherige Altweibersommer nicht nur durch seine ungewöhnlich hohen Temperaturen, sondern durch seinen verhältnismäßig schon sehr frühen Eintritt. Meist pflegt er sich nämlich erst gegen Mitte des Monats, oft erst in der zweiten Hälfte einzustellen, während er in diesem Jahre bereits am 30. August begann. Zum letzten Male stellte er sich im Jahre 1886 so früh ein und zeichnete sich auch auf die gleiche, ungewöhnliche Hitze und Schönheit der Witterung aus wie in diesem Jahre. Wenn die Analogie zwischen beiden Jahren weitergeht, dürfen wir übrigens noch auf eine längere Dauer des gegenwärtigen Prachtwetters rechnen, denn 1886 erfolgten Wetterumschlag und Temperatursturz erst am 21. September. 1885 währte der Altweibersommer sogar über vier Wochen. In der Regel beträgt die Dauer der Erscheinung ein bis zwei Wochen, selten weniger.
Die wenigsten Verbrecher, soweit die Provinz Brandenburg in Frage kommt, gibt es im Landkreise Guben. Laut einer Kriminalstatistik über die Jahre 1898 bis 1902 betrugen die Verurteilungen auf je 10.000 strafmündige Personen in der Provinz Brandenburg überhaupt 112,7. Während der Kreis Prenzlau mit 150,1 die höchste Zahl der Verurteilungen aufweist, lautet die entsprechende Zahl für den Landkreis Guben 57,6. Auf die statistisch festgestellte Tatsache, daß der Gubener Landkreis die wenigsten Verbrecher aus der ganzen Provinz Brandenburg aufweist, können die Einwohner unseres Landkreises stolz sein.



Fahrradfund. Vor etwa 4 Wochen wurde in der Reichenbacher Heide ein Herrenfahrrad ohne Gummibereifung gefunden ; es hat die Marke Beda am Sitzrohr ; am Rade befinden sich Schutzbleche, die vom einen Motorrade herrühren. Der Eigentümer kann sich auf der Polizeiwache melden.
Vom Brückenbau.
Es ist überraschend schnell gelungen, das in die Baugrube durch eine undichte Spundwand eingedrungene Wasser wieder auszupumpen. Bereits am Sonnabend konnte wieder in der Baugrube gearbeitet werden. Inzwischen wird die schadhafte Spundwand gedichtet, bzw. eine neue Spundwand geschlagen.