die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Der Export nach den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika von den Orten Guben, Sorau mit Frauenmühle bei Goldbach und Seifersdorf, Forst, Sommerfeld, Döbern und Fürstenberg betrug: Aus obigen Gegenüberstellungen der Ausfuhrwerthe ist ersichtlich, daß in Leinenwaaren eine Abschwächung der Konjunktur zu verzeichnen ist. Das Minus gegen das 2. Quartal 1901 beträgt ca. 25.000 Mark. Alle anderen Branchen haben erfreulicherweise ein Anziehen ihres Exportgeschäftes aufzuweisen.

Klein-Drenzig. (Unwetter.) Donnerstag Nachmittag brachte ein starkes Gewitter unserem Orte und der Umgegend einen wolkenbruchartigen Regen, welcher mit etwas Hagel und heftigem Sturm begleitet war. Die Äcker und Wiesen sind teilweise stark beschädigt; wuschen doch die von den Bergen der Drenziger Schweiz herabstürzenden Wassermassen große Löcher auf den Fluren aus, rissen Brücken mit sich und versandeten viele Strecken. Die im Bau befindliche Chausseelinie Klein-Drenzig – Germersdorf sollte heute fertiggestellt werden, doch hat das Unwetter viel mühevolle Arbeit zerstört. So sind z. B. sämtliche Wasserdurchlässe und Rampen, welche die an der Chaussee liegenden Grundstücke mit dem Chausseekörper verbinden, hinweggespült, die Wasserrohre sind versandet, die Chausseeböschungen eingestürzt, alle Baumlöcher zugeschwemmt und die meisten Baumpfähle umgeworfen und mit fortgewaschen. Sogar die schon fertige Schüttung hat Schaden gelitten; an einigen Stellen ist sie unterwaschen und aus ihrer Lage gebracht worden. Zahlreiche Bäume wurden entwurzelt und vom Sturm umgebrochen. Die Dorfstraße glich einem großen See, und während des tobenden Unwetters war Alt und Jung auf dem Posten; galt es doch, die Wasserfluten durch schnelles Abdämmen von den Gehöften und Höfen abzulenken. Nur mit Mühe und Not konnten aus einem Stalle Kuh und Kalb von dem Ertrinken gerettet werden. Ein mit Dung beladener Wagen stand auf einem Hofe bis zur Hälfte im Wasser. Ein starker Strom wälzte sich gerade in die Haustür der etwas tiefergelegenen Franzkeschen Wirtschaft, fand aber glücklicherweise durch eine Öffnung auf der entgegengesetzten Seite einen Ausweg. Der Teich an der Wallwitzer Mühle trat aus seinen Ufern und suchte sich einen Weg in die Wiesen; der Mühlenbesitzer und die Eigentümer der in Frage kommenden Gemarkungen haben empfindlichen Schaden erlitte.
Daß die Verschmutzung der Neiße bei unsrer Stadt aus Forst zurückzuführen sei, will das Forst. Tagebl. nicht gelten lassen. Zu den Verhandlungen in der letzten Stadtverordnetensitzung über diese Angelegenheit schreibt genanntes Blatt: Also für die Gubener Fusseln soll Forst verantwortlich sein. Das ist belustigend. Wenn die Herren, die das behaupten, einen Spaziergang oberhalb der Neiße unternehmen würden, so könnten sie sehen, wie klar das Wasser anflutet. Es gibt nämlich selten einen Fluß, bei dem die natürliche Filtration so ausgiebig und Vorzüglich ist, wie unsere Neiße. Unterhalb Sacro, also kaum eine Stunde von Forst, ist beispielsweise das Wasser infolge der vielen Kiesbänke, die es passieren muß, vollständig klar und einwandfrei.
Das Schützenfest setzte, wie alljährlich gestern abend mit dem Zapfenstreich ein. Eine vielköpfige Menge bewegte sich schon vor Beginn des Zuges in den Straßen, die der Zug passierte. Mehrere Bürger brannten beim Herannahen des Zuges verschiedenfarbiges bengalisches Licht ab, das den Straßen ein magisches Aussehen verlieh. Heute morgen 6 ¼ Uhr ging das Wecken vor sich, das die Bewohner aus dem Schlaf rüttelte und an die Fenster lockte. Im Laufe des Vormittags erhielten die Schützenkönige, Büchsenmacher Scheer und Kaufmann Becker, sowie die städtischen Behörden Ständchen. Der Festzug gegen Mittag zeigte durch die zahlreiche Begleitung, daß das Schützenfest seine Volkstümlichkeit noch immer besitzt.
Eröffnung einer neuen Bahnstation. Die an der Strecke Guben - Forst neuerbaute, zwischen Groß-Gastrose und Grießen gelegene Station Taubendorf wird am 20. Juli dem Verkehr übergeben. Eine Kursänderung in den Zügen tritt nicht ein.

Ein heftiges Gewitter entlud sich in vergangener Nacht über unserer Stadt. Zwischen 2 und 3 Uhr morgens glich der Himmel einem einzigen Feuermeer. Ein Beobachter will um Uhr 2:30 Uhr morgens, als das Gewitter seinen Höhepunkt erreichte, 35 Blitze in der Minute gezählt haben. Mit dem Gewitter war auch starkes Wetterleuchten verbunden, dass die Gegend weithin erhellte. Es schienen gleichzeitig mehrere Gewitter sich zu entladen. Glücklicherweise war unsere Stadt nicht das Zentrum des Unwetters, sondern wurde, wie an dem Donnerrollen zu erkennen war, nur von einem Ausläufer desselben betroffen. Zeitweise rauschte wolkenbruchartiger Regen, vermischt mit Hagelschlag, hernieder. Unsere Bergstraßen glichen Gebirgsbächen; Unmengen von Sand wurden die Straßen herunter geschwemmt und verstopften die Kanalisation. Den ganzen Tag über wurde an der Fortschaffung des Sandes und der Reinigung der Abzugskanäle fleißig gearbeitet. Durch Blitzschlag ist unseres Wissens hier kein Schaden verursacht worden, dagegen wird uns aus dem Landkreise über Blitzschläge berichtet, die jedoch nur geringen Schaden verursachten. Eine Abkühlung ist nicht eingetreten. Heute Vormittag 10 Uhr zeigte das Thermometer inmitten der Stadt bereits wieder 28 °C.

Das Ende der Reichsfleischkarte? Wie aus Berlin berichtet wird, erwägen die zuständigen Reichsstellen den Plan, die Rationierung von Fleisch in absehbarer Zeit aufzuheben. Man hofft, vom Auslande im Laufe der nächsten Monate so reichlich Fleisch einführen zu können, daß auch der deutsche Landwirt gezwungen werden wird, sein Fleisch wieder bereitwilliger und preiswerter wie bisher anzubieten. Die Bewirtschaftung des Fleisches soll voraussichtlich von 1. Oktober d.J. ab aufhören.
Der Bau der Notbrücke an der großen Neißebrücke hat in den letzten Tagen ersichtlich Fortschritte gemacht und soll in diesen Tagen vollendet werden. Wie wir hören, soll bereits am Sonnabend oder kommenden Montag der Verkehr über die Notbrücke geleitet werden können. Die Verhältnismäßig geringe Verzögerung, in der Fertigstellung ist nach Ansicht der Bauleitung auf die Schwierigkeiten zurückzuführen, die sich bei dem Einrammen der Brückenpfeiler ergeben haben. Der Baugrund ist ein ungewöhnlich schlechter, sodaß der Brückenneubau noch manche Nuß zu knacken geben wird. Wie sich jetzt beim Abbruch der alten Brücke herausstellt, war es erstaunlich, daß die Brücke überhaupt noch gehalten hat. Die Bohlen sind fast alle faulig und rissig und nur einem glücklichen Zufall ist es zu danken, daß sich nicht schon Zusammenbruchsanzeichen ergeben haben. Im allgemeinen Interesse ist also der Beschluß der Stadtverordnetenversammlung, den Neubau der Brücke vorzunehmen, zu begrüßen. Ob aber zu den veranschlagten Kosten nicht eine erhebliche Nachforderung kommen wird, bleibt abzuwarten.
Das Lehrerseminar in Neuzelle.
Mit dem nördlichen Teile des Königreiches Sachsen kam durch den Frieden nach den Freiheitskriegen auch das Zisterzienserkloster Neuzelle unter die Herrschaft der Krone Preußens. Durch Verfügung vom 8. Febr. 1817 ordnete Friedrich Wilhelm III. die Aufhebung des Klosters an, das etwa 51/2 Jahrhunderte hier bestanden und großen Segen wirtschaftlicher Art über unsere Heimat gebracht hatte. Ein Teil der hiesigen Klostergebäude wurde, wie die „Fr. Od.Ztg.“schreibt, zur Aufnahme der beiden Lehrerseminare bestimmt, die von Züllichau und Luckau nach hier verlegt und vereinigt wurden. Gleichzeitig kam das hier mit dem Lehrerseminar Luckau verbundene Waisenhaus nach hier. Der Leiter des bisherigen Luckauer Seminars wurde der erste Direktor des Lehrerseminars Neuzelle. Der kirchlichen Tendenz der damaligen Lehrerbildung entsprach es durchaus, daß der Leiter des Seminars - ein Theologe - gleichzeitig Pfarrer der Gemeinde Neuzelle war. Später wurde ein besonderer Ortspfarrer angestellt und der jedesmalige Seminardirektor war Oberpfarrer. Der Ortsgeistliche erteilte einige Stunden Unterricht in der mit dem Seminar verbundenen Präparandenanstalt. Am 1. April 1913 wurde diese Art der Verbindung von Lehrerbildungsanstalt und Kirche gelöst; der letzte Leiter des Seminars war der erste, der nicht Theologe war. Nachdem am Gedenktage 1892 ein Schadensfeuer den größten Teil der Seminargebäude zerstört hatte, wurden sie in den Jahren 1894 bis 1898 moderner und zweckmäßiger errichtet. Das Lehrerseminar hat als solches seine Pforten geschlossen. In den Herzen der meisten Bewohner unseres Ortes macht sich ein Gefühl der Wehmut bemerkbar, dass nun alle Bande gerissen sind, die länger als ein Jahrhundert zwischen Gemeinde und Seminar bestanden haben. – Nicht vergessen sei an dieser Stelle der Hinweis auf den großen Segen, den das Seminar in erzieherischer Bedeutung für die Schulen und damit für die Bevölkerung unserer Heimatprovinz und weit darüber hinaus gebracht hat.