die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Schiffbarmachung der Neiße. Um eine Basis für den in nächster Zeit in Angriff zu nehmenden Bau der Umschlagstelle in Guben zu gewinnen, hat die Rhederei vereinigter Schiffer A.G. Breslau am Sonnabend mit dem Dampfer „Königin Louise“ , der zu diesem Zwecke eigens nach Ratzdorf beordert wurde, eine Informationstour unternommen, die leider ein negatives Resultat zeitigte. Das Ergebnis der Informationsreise ist ein derartiges, daß an eine Aufnahme der Schifffahrt zunächst nicht zu denken ist, wenn nicht seitens der Regierung energische Maßnahmen getroffen werden, welche die Herstellung einer schiffbaren Wasserstraße gewährleisten. – So nahe dem Ziel, scheint mit einem Male wieder alles in Frage gestellt. Voraussichtlich werden die Interessenten, namentlich die städtischen Behörden, bei der Regierung mit aller Energie auf Abhilfe dringen, damit die Schiffbarmachung der Neiße, für die so viel Geld aufgewendet ist, auch zur Thatsache wird. Die Eröffnung der Schifffahrt, mit der man schon in einigen Monaten rechnete, ist auf jeden Fall noch weit hinausgeschoben.

Sanitätswache und Rettungsdienst. In der Stadtverordneten-Versammlung vom 19. März wurde die Errichtung einer Sanitätswache beschlossen und die Mittel zur Errichtung mit 290,75 M und für die dauernde Unterhaltung mit 1360 M pro Jahr bewilligt. Die Vorbereitungen zu dieser sozialen Einrichtung sind jetzt beendet und mit dem 1. Juni ist der Betrieb der Sanitätswache und des Rettungsdienstes der Krieger-Sanitätskolonne vom Roten Kreuz aufgenommen worden. Die Wache ist im städtischen Krankenhause untergebracht und steht unter Aufsicht des Vorstandes der Sanitätskolonne (Vorsitzender Herr Dr. Brauner). Der Zweck dieser Einrichtung ist, wie schon früher mitgeteilt wurde, bei Unfällen, plötzlichen Erkrankungen, sowie bei Katastrophen innerhalb der Stadt die erste Hilfe zu leisten und den Transport von Verletzten und Erkrankten in die Krankenhäuser bezw. In Privatwohnungen auszuführen…
Daß die Sanitätswache mit Verbandsstoffen, Instrumenten, Schienen usw. sowie mit einem Sauerstoffapparat ausgerüstet ist, soll nicht unerwähnt bleiben. Die vorzügliche Organisation der Wache läßt somit erkennen, daß es sich um eine Einrichtung handelt, die einem wirklich allgemeinen Bedürfnis entsprach.


Landaufenthalt für Gubener Schulkinder. Dank der Werbetätigkeit des Vereins „Landaufenthalt für Stadtkinder“ ist auch Gubener Kindern die Wohltat eines Landaufenthalts für die Dauer des Sommers ermöglicht worden. Während sich im vorigen Jahre etwa 65 Gubener Kinder im Kreise Züllichau erholen und kräftigen konnten, sind diesmal 90 Pflegestellen in den Kreisen Calau und Jüterbog – Luckenwalde überwiesen worden. Gemeldet hatten sich etwa 150 Kinder: da indessen für die Pflegestellen hauptsächlich Mädchen verlangt worden waren, mußte leider ein großer Teil der angemeldeten Knaben zurückbleiben. Heute Morgen fuhren die für den Landaufenthalt Ausgewählten unter der Obhut eines Lehrers und mehrerer Hortnerinnen über Cottbus nach ihren Pflegestellen, wo sie hoffentlich ebenso gut aufgehoben sein werden, wie im letzten Jahr im Kreise Züllichau. Die Rückkehr wird etwa Ende September erfolgen. Die Aufsicht über die Kinder übt der Ortspfarrer aus, doch werden sich auch Vertreter der hiesigen städtischen Behörden davon überzeugen, daß die Gubener Kinder gut untergebracht sind.
Einbrecher haben in einer der letzten Nächte die Konditorei von Gustav Schöneberger heimgesucht und sind in ganz raffinerter Weise vorgegangen. Schon im Laufe des Nachmittags haben Sie vom Garnisonkommando in der Alten Poststraße ein Fächerregal gestohlen und auf die Sandbank, die sich an dem Hause in der Neiße gebildet hat, geschafft, um das Regal als Leiter zu benutzen. Kindern gegenüber, die dort spielten, machten sie die Bemerkung, daß sie die elektrische Leitung nachsehen wollten. In der Nacht haben sie dann das Drahtfenster in der Schutzmauer durchschnitten, durch das nur schwer eine Person sich hindurchzwängen kann, sind in die unteren Geschäftsräume eingestiegen und dann in die Ladenräume gelangt. Dort haben sie Schokolade, Zigarren und Zigaretten sowie bares Geld gefunden und mitgenommen, was ihnen erreichbar war. Sie haben sich dann auf demselben Wege wieder entfernt, auf dem sie gekommen waren, haben aber das Regal zurückgelassen. Wie wir hören, soll man den Einbrechern auf der Spur sein, die hoffentlich zum Ziele führt, damit eine exemplarische Bestrafung erfolgen kann.
Feuer
Am 2.Juni vormittag 2 Uhr 15 Minuten wurde die Feuerwehr nach dem Güterbahnhof alarmiert, wo 2 Waggons mit Stroh durch Funkenflug in Brand geraten waren. Bereits nach 6 Minuten war die Feuerwehr zur Stelle und griff den Brand mit 3 Schlauchleitungen, unterstützt von mehreren Lokomotiven und dem Bahnpersonal, an. Nach 6 stündiger Tätigkeit war der Brand gelöscht.

Glückwunsch und Begrüßungstelegramme sowie Telegramme in nicht dringenden Familienangelegenheiten sind, nach amtlicher Meldung aus Berlin , von jetzt an wieder zugelassen.
Glogau, 3. Juni. (Eine Bluttat auf den Rittergut Tschepplau.) Auf dem Rittergute Tschepplau des Grafen v. Schlabrendorf-Seppau drang der etwa 25 jährige Wirtschaftsassistent Kinzel unvermutet in das Amtszimmer des Guts-Inspektors Paul Gutschner, schloß die Tür zu und brachte seinem Vorgesetzten mit einem Revolver einen schweren Kopfschuß bei. Darauf richtete er die Waffe gegen sich selbst. Als das Amtszimmer gewaltsam geöffnet wurde, fand man Gutschner zusammengesunken auf dem Stuhl vor seinem Schreibtisch sitzen und Kinzel tot am Boden. Gutschner starb nach kurzer Zeit. Ueber das Motiv zur Tat sind nur Vermutungen im Umlauf, Gutschner war etwa 33 Jahre und kinderlos verheiratet. Er wird als umsichtiger und ruhiger Gutsbeamter geschildert.
Das 3. Niederlausitzer Volkswetturnen, das aus Anlaß des 60jährigen Bestehens des Männer-Turnvereins veranstaltet wird, nimmt morgen mit der Kampfrichtersitzung und der Begrüßung auswärtiger Turner im Schützenhaus seinen Anfang. Der Sonntag bringt fünf Abteilungen und zwar Fünfkampf der Männer, Dreikampf der Jugendturner, Mannschaftskämpfe, Einzelwettkämpfe für Männer und Jubiläums-Kunstturnen. Nachmittags 6 Uhr ist die Siegerverkündigung vorgesehen. Das Wetturnen findet auf dem Turn- und Sportplatz des M-T-V am Damm statt.
