die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.

Die Larve eines Käfers, in dem man den den Kartoffelfeldern so überaus gefährlichen Coloradokäfer zu erkennen glaubte, wurde auf einem Kartoffelfelde auf städtischem Terrain gefunden. Nach den Beschreibungen und Abbildungen des Coloradokäfers schien kaum noch ein Zweifel möglich, daß man es hier mit diesem Feinde der Kartoffel zu tun habe. Ein auf diesem Gebiete bewanderter Herr konnte jedoch, nachdem er weitere Entwicklungsstadien der Larve und den daraus entschlüpften Käfer selbst gefunden hatte, feststellen, daß es nur eine unschädliche Art, ein schottischer Marienkäfer war. Hoffentlich wird dieses zur Beruhigung dienen, da sich das Gerücht vom Funde bereits verbreitet hatte.
Der „Deutsche Pomologenverein“ versendet soeben das Ergebnis seiner Umfragen über den diesjährigen Fruchtansatz. Das Gesamtergebnis des Fruchtansatzes 1907 stellt sich nach den Berichten aller deutschen Obstbezirke wie folgt: Für Deutschland kann im Durchschnitt eine gute Mittelernte erwartet werden. Der Ansatz ist:
g u t: bei Süßkirschen, Sauerkirschen, Quitten, Stachelbeeren, Johannisbeeren, Erdbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren;
g u t – m i t t e l: bei Birnen, Reineclauden, Weintrauben, Preiselbeeren;
m i t t e l: bei Aepfeln, Pflaumen, Walnüssen;
m i t t e l – g e r i n g: bei Pfirsichen, Haselnüssen;
g e r i n g: bei Aprikosen.
Der Dauerregen der letzten Woche, der im allgemeinen, namentlich für den Nachwuchs der frischgemähten Wiesen und für alle Feldfrüchte sehr erwünscht kam, hat in unseren Bergen die Kirschenernte beeinträchtigt. Die zur Zeit reifen Süßkirschensorten zeichneten sich durch starkes Fruchtfleisch, Größe, Saftreichtum und besonderen Wohlgeschmack aus. Der anhaltende Regen verwässerte die Früchte und führte ihr Aufplatzen herbei. Im Verkaufe mußten derartige unansehnliche Kirschen etwa um ein Drittel des Preises herabgesetzt werden.

Sammelt Pilze! Die Knappheit an Lebensmitteln macht es notwendig, alle für die menschliche Ernährung in Betracht kommenden Nahrungsmittel zu verwerten. Hierzu gehören auch die Pilze, die ein sehr wohlschmeckendes und nahrhaftes Volksnahrungsmittel bilden und überall in unseren deutschen Wäldern, ja sogar an Wegen und Plätzen zu finden sind. Der Kriegsausschuß für Volksernährung hat in Verbindung mit der Reichsstelle für Gemüse und Obst eine farbige Pilztafel zusammengefaltet in Taschenformat herausgegeben, in der die hauptsächlichsten eßbaren sowie die giftigen Pilze in natürlicher Größe und Farben in Kunstdruck verzeichnet sind. Preis für 1 Tafel 25 Pf. ausschließlich Porto, größere Mengen billiger. Bestellungen sind zu richten an den Kriegsausschuß für Volksernährung, Geschäftsstelle Sanitätsrat Dr. Albert Moll, Berlin W. 15, Kurfürstendamm 45.
Ein neuer Heiratsschwindlertrick. Das Dunkel über den rätselhaften Leipziger „Geldbrief“, der der Firma Breitenfeld & Scholz in diesen Tagen zuging und der anstatt der 40 000 M die er enthalten sollte, Papierschnitzel enthielt, beginnt sich zu lichten. Der Brief war zu Schwindelzwecken zur Post gegeben. In Leipzig hat vor kurzer Zeit ein ähnlicher Papierschnitzelbrief von sich reden gemacht. Es liegt der Verdacht nahe, daß ein Heiratsschwindler mit diesen Briefen in Verbindung zu bringen ist. Er gibt die „Wertbriefe“ auf, um einen entsprechenden Postbestätigungsschein darüber zu erhalten. Den heiratslustigen Damen gegenüber, die der Schwindler begaunern will, begründet er seine „augenblickliche“ Geldverlegenheit damit, daß er eine größere Zahlung – unter 10 000 M „arbeitet“ der Mensch scheinbar nicht – an die und die Firma, an der er beteiligt sein will, zur Post gegeben habe. Beweis: Postauslieferungsschein.
