die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Die Raubzüge der Katzen beginnen wieder. Nicht allein, daß durch die Katzenconcerte die nächtliche Ruhe auf höchst fatale Art gestört wird, diese Raubthiere stellen auch mit aller List unseren Singvögeln nach. Die "geschwänzten Gäste" der Hausdächer richten in den Gärten nichts als Schaden an und darum ist die Entscheidung des Reichsgerichts ganz gerecht, welches jedem Grundtücksbesitzer erlaubt, Katzen auf seinem Grunstücke zu tödten oder zu fangen.
Wer sie liebt, gewöhne sie ans Haus, Keller und Hof; im Garten aber dürfen sie sich nicht blicken lassen - oder der Tod sei ihre Strafe.
Die Kunst, sich auf einen Stuhl zu setzen, lehrt ihre weiblichen Mitschwestern Agnes von Kopenhagen in der Zeitschrift "Fürs Haus" unter der Rubrik "Wie soll ich mich benehmen" mit folgenden sachverständigen Worten:
"Bewegt man sich auf einen Stuhl zu, auf welchem man zu sitzen wünscht, so halte man vor demselben, in geringer Entfernung davon still; dies ist nothwendig, um genügenden Platz für das erforderliche Wenden des Körpers zu gewinnen.
Nun setze man einen Fuß vor den anderen, erhebe sich auf die Spitzen, drehe die Fußgelenke und schwinge den Körper herum, indem man gleichzeitig mit dem vom Stuhl am weitesten entfernten Fuße einen kleinen Sprung macht. Dadurch wird das Gewicht von diesem Fuße nach dem, welcher dem Stuhl zunächst steht, verlegt, und während der Körper sich dreht, müssen die Hüften sich sehr tief neigen, die Knie ebenfalls, und mit diesen Bewegungen ist man auf den Stuhl gelangt.
Man setze sich soweit auf dem Stuhl zurück, daß die Hüften den Stuhlrücken berühren und strecke die eine Fußspitze soweit aus, daß sie unter dem Saume des Kleides sichtbar wird. Die schräge Linie vom Kopf bis zur vorgestreckten Fußspitze ist die Hypothenuse eines rechtwinkligen Dreiecks, dessen Basis eine Linie von dieser Fußspitze bis zu den Hinterbeinen des Stuhles bildet."
Vielleicht weiß Tante Agnes noch viel wichtigere Aufschlüsse über die Kunst des Sitzenbleibens zu liefern.
Die Frequenz der Achenbach- und Parkbrücke. Eine am 2. Ostertage und am darauffolgenden Donnerstage von früh 5 bis Abends 10 Uhr vorgenommene Zählung der Passanten über die Achenbach- und Parkbrücke ergab folgendes Resultat: 2. Feiertag: Achenbachbrücke 3.603, Parkbrücke 3.337; Donnerstag: Achenbachbrücke 3.795, Parkbrücke 4.363.
Nachtfrost. In der vergangenen Nacht sank die Temperatur unter den Gefrierpunkt, und früh war starker Reif auf Fluren und Dächern wahrzunehmen. Ob die junge Pflanzenwelt und die Obstblüte geschädigt sind, wird sich mit Sicherheit wohl erst nach einiger Zeit feststellen lassen.
Sonderzüge zur Baumblüte. Außer dem Sonderzuge aus Berlin, der am 9. Mai eine große Anzahl Besucher aus der Reichshauptstadt in unsere Baumblüte bringen wird, werden noch am 9. und 16. Mai Sonderzüge von Frankfurt a. O. und Cottbus und höchstwahrscheinlich auch von Forst nach Guben verkehren. Dem Verkehrsverein ist auf seine Anträge von der königl. Eisenbahndirektion in Posen ein Schreiben zugegangen, worin es heißt: Wir sind bereit, am 9. und 16. Mai d. J., vorausgesetzt, daß die Baumblüte bis dahin eingetreten ist, die gewünschten Sonderzüge von Frankfurt a. O. und Cottbus nach Guben und zurück einzulegen. Wir bemerken jedoch hierbei ausdrücklich, daß es sich hierbei nur um einen Versuch handelt und daß diese Sonderzüge in Zukunft nicht gefahren werden, wenn die Besetzung in diesem Jahre nicht eine derartige ist, dass die Mindestkosten gedeckt werden“….
Die Baumblüte hat sich unter dem Einfluß des warmen Regens und des prächtigen Sonnenscheins nunmehr recht günstig entfaltet. In prächtigen Farben schillert die Blütenherrlichkeit in den hellen Sonnenstrahlen, sodaß man auch in diesem Jahre , obwohl nach dem Frost der Gesamteindruck etwas gelitten hat, sich noch an dem Anblick dieser reizvollen Naturschönheit ergötzen kann. Namentlich, wo die Bäume in größeren Gruppen und in geschützterer Lage stehen, sieht man kaum die Spuren des zerstörenden Aprilwetters. Wenn sich der bevorstehende Wonnemonat Mai ebenso hält, wie es jetzt seine Vorboten verheißen, wird er von den Menschen, bei denen er sich bekanntlich besonderer Beliebtheit erfreut, mit Freuden begrüßt werden. Es ist zu hoffen, daß, falls das Wetter günstig bleibt, nun am kommenden Sonntag noch mit einem größeren Fremdenverkehr gerechnet werden kann, denn verschiedene Gesellschaften haben ihr Kommen bereits in Aussicht gestellt, u.a. der Niederlausitzer Automobilklub, der schon im Sommer 1911 auf seiner Gesellschaftsfahrt nach Crossen bei seiner Durchfahrt durch unsere Stadt die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hat.
Großfeuer. Nachdem erst vor etwa drei Jahren die Strumpfwarenfabrik von Gustav Linke, Crossener Str. 8, von einem Großfeuer heimgesucht worden war, das einen erheblichen Schaden verursachte, wurde die neuerbaute und neueingerichtete Fabrik heute morgen wieder ein Raub der Flammen. Da gegenwärtig die Fabrikation vor ihrer Hochsaison steht, wurde in der Linke´schen Fabrik abends nachgearbeitet. Gestern abend 8 Uhr verließen die letzten Arbeiter die Fabrikräume, jedoch nicht, ohne die nötige Vorsicht außer acht zu lassen. Heute morgen gegen 5 Uhr wurde Herr Linke von Nachbarn geweckt, die ihm die Mitteilung machten, daß es in der Fabrik brenne. Es stellte sich heraus, daß das Feuer schon auf mehrere Räume übergegriffen hatte. Die sofort alarmierte Feuerwehr traf gegen 6 Uhr ein und gab aus mehreren Schlauchleitungen Wasser. Gegen 8 Uhr war die Gefahr beseitigt. Indessen hatte das Feuer fast alle Fabrik- und Lagerräume ergriffen und Maschinen und fertige Waren zerstört. Was nicht durch Feuer vernichtet wurde, litt Wasserschaden…

Leichenfund. Heute Mittag wurde am Wilhelmsplatz eine weibliche Leiche aus der Lubst gelandet. Es handelt sich um eine ältere Person in mittlerer Größe, die ein braunes Kopftuch trägt.