die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Über die diesjährige Obsternte hat Herr Winkler ein Stimmungsbild entworfen – worin er folgendes ausführt: Bei den Obstzüchtern, wie bei den Händlern ist die Stimmung sehr gedrückt, denn die Obsternte war hier in unseren hochgelegenen Bergen außer den Süßkirschen doch eine zu geringe und obendrein so, dass die vielen hierorts ansässigen Händler zu wenig erhalten und nicht wissen, was sie versenden sollen. Während in den niedrig gelegenen Gärten und umliegenden Dörfern die Pflaumenbäume zum Brechen voll waren und auch die Apfelbäume eine Mittelernte ergaben, war in den hiesigen Bergen nahezu eine Missernte zu verzeichnen. Infolge der fortwährenden Dürre und Trockenheit dieses Sommers wurden die zum Theil angesetzten Früchte der Apelbäume wurmstichig und fielen vor der Zeit ab. Birnen, die sich theilweise besser erhalten hatten, gaben nur auf vereinzelten Bäumen wenige Sorten. So fehlten die hier am meisten angebauten Frühbirnen, las Magdalene, Margarethe, Sparbirne, Holde Miene, Gute Graue u.s.w.fast ganz, während Claps Liebling, Williams Christ, Bosls Flaschenbirne, Prinzeß Marianne, Köstliche von Charneu u.s.w. in manchen Lagen zum Theil gut angesetzt hatten. Die Preise variirten für letztere pro Centner von 15 bis 25 Mark. Auch die Aepfel, die in den niedriger gelegenen Gärten und den umliegenden Ortschaften immerhin noch eine Mittelernte ergaben, waren nicht so schön, als in anderen Jahren und wurden größtentheils zum Mosten pro Centner zu 3 bis 4 Mark verkauft, während die besseren Früchte, wie Goldparmäne, Muskatreinette, Ananasreinette u.s.w. zum Preise von 10 bis 15 Mark abgegeben werden. Die Versammlung hielt diesen Stimmungsbericht für richtig. Herr Winkler referirte noch über die Potsdamer Obst- und Gartenbauausstellung, über die wir schon mehrfach berichtet haben, sodaß wir auf die Einzelheiten des Referates nicht einzugehen brauchen. Die Obstausstellung war hervorragend. Die ersten Obstzüchter hatten das Beste herbeigebracht. Guben hatte nur wenig ausgestellt, aber es war auch sehenswerth. Die Gmüseausstellung bot nichts Besonderes; sie war nicht halb so hervorragend, wie die vorjährige Gemüseausstellung hier.
Die Heilsarmee beabsichtigt, demnächst auch nach Guben zu kommen. In der Salzmarktstraße im Hause des Bäckermeisters G. hat sie bereits einen Saal gemiethet, in dem sie ihre Versammlungen abhalten will.
Gubener Tafelobst. Die von der brandenburgischen Landwirtschaftskammer ins Leben gerufenen Berliner Obstmärkte erfreuen sich in den Kreisen der märkischen Obstzüchter steigender Aufmerksamkeit und werden auch aus Guben mehrfach mit Tafelobst in einheitlicher Verpackung und Sortierung beschickt. Für die Leistungsfähigkeit des hiesigen Obstbaues ist es bemerkenswert, daß sich hiesige Züchter vereinigt haben, um die Mannheimer Obstausstellung zu beschicken, wo naturgemäß das süddeutsche Obst in scharfen Wettbewerb tritt.
Die Erweiterung der höheren Töchterschule ist gestern von der Stadtverordnetenversammlung genehmigt worden. Die Schule erhält vom 1. April 1909 ab 10 aufsteigende Klassen und die Lehrkräfte werden vermehrt. Gleichzeitig ist die Erhöhung des Schulgeldes von 80 auf 100 M für Einheimische und von 100 auf 120 M für Auswärtige beschlossen.
Butterfälschung. Im Juli und August hat die unverehelichte Wilhelmine Z. aus Bärenklau auf dem hiesigen Markte Butter mit einem Wassergehalt von 35% feilgehalten, während nur bis 6% Wassergehalt gestattet ist. Die Angeklagte wurde vom Schöffengericht zu 25 M Geldstrafe oder 5 Tagen Haft verurteilt.
Feuer. Heute früh, unmittelbar nachdem es 6 Uhr geschlagen hatte, ertönte die Feuerglocke. Da seit Einführung des elektrischen Feuermeldesystems nur noch bei Fabrikbränden gestürmt wird, entstand eine gewisse Erregung in der Stadt, die sich noch vermehrte, als bekannt wurde, daß das Feuer im Winkel, in der Abteilung Berthold Lißner der Berlin-Gubener Hutfabrik ausgebrochen sei. Die Besorgnis, daß das große Fabriketablissement mit seinen zahlreichen Baulichkeiten niederbrennen könne, erwies sich jedoch glücklicher Weise als unbegründet. Der Brand war in kurzer Zeit überwältigt, die Gefahr einer weiteren Ausbreitung des Feuers, soweit eine solche überhaupt bestanden hatte, beseitigt. Im Kesselhaus ist eine Aushilfe-Trockenstube eingebaut, in der sich ein Posten halbfertiger Hüte befand; in dieser Trockenstube war das Feuer aus bisher unbekannten Ursachen entstanden. Als der Kesselheizer früh ½ 6 Uhr zur Anfeuerung des Kessels schreiten wollte, bemerkte er das Feuer. Leider scheint in der Feuermeldung doch nicht alles zu klappen, denn vergeblich wurde versucht, telephonisch das Feuer zu melden, ein Bote musste schließlich zur Wache eilen, worauf gestürmt wurde. Darüber war natürlich einige Zeit vergangen. Die Feuerwehr war schnell zur Stelle, leider war irgendwas an der Spritze in Unordnung geraten, sie versagte; dem konnte jedoch dadurch abgeholfen werden, daß die eigenen Schläuche der Fabrik an Hydranten angeschraubt wurden, worauf die Wehr in kurzer Zeit des Feuers Herr war. Der Dachstuhl des Kesselhauses ist total zerstört, der Inhalt der Trockenstube ist ausgebrannt. Der gesamte Schaden ist jedoch nicht bedeutend. Der Betrieb der Fabrik ist nicht gestört.
Auf ein 100jähriges Bestehen kann morgen, den 1. Oktober, die Firma A. F. Flach, Galanterie-, Kurz- und Spielwaren, Frankfurterstr. 5 zurückblicken. In der politische recht bewegten Zeit, als Guben noch unter der Aegide Sachsens stand, wanderte der Gründer, Franz Flach, aus Warschau ein. Als gelernter Drechsler, eröffnete er am 1. Oktober 1811 sein Geschäft, an der Stelle, wo das Geschäftshaus heute noch steht. Im Laufe der Jahre ging das Geschäft von Sohn auf Sohn über. Zu erst war August Flach, dann Richard Flach sen. und gegenwärtig ist Richard Flach jun. Inhaber des Geschäfts. In der Oeffentlichkeit ist August Flach besonders hervorgetreten, er war lange Jahre Stadtverordneter, einige Jahre Stadtv.-Vorsteher und bis zum Jahre 1888 Stadtrat, wo er seines Alters wegen seine Aemter niederlegte und ihm die Würde eines Stadtältesten verliehen wurde. Im 86. Lebensjahre starb er im Januar vorigen Jahres. Das alte Geschäft ist aus den ursprünglichen soliden Bahnen nicht herausgetreten, möge es auch in dieser Weise das zweite Säkulum, in das es jetzt tritt, vollenden.
Gubener Ruderclub. Das gestrige Dauerwettrudern, das sich eines schönen Herbstwetters erfreuen konnte, hatte auf die Mitglieder und Freunde des Klubs eine große Anziehungskraft ausgeübt. Die 4. Mannschaften des Gubener Ruder-Klubs sowie die 1. Mannschaft der Ruderriege des Turnerbund “Gymnasium“ waren zu den festgesetzten Zeiten am Start erschienen. Die große Anzahl der Zuschauer verfolgte mit großem Interesse die nacheinander vorüberfahrenden Boote, deren Mannschaften unter dem starken Winde sehr zu leiden hatten. Um 5 Uhr hatten sämtliche Boote die Strecke durchfahren. Als Sieger ging die Vierermannschaft des Gubener Ruder-Klubs, John, Hefter, Marschner, Bergmaier, am Steuer Otto Hartmann, durchs Ziel, die die Strecke in nur 35 Minuten 5 Sek. zurücklegten. Den 2. Preis in Gestalt von Bechern sicherte sich die Vierermannschaft des Turnerbund “Gymnasium“, Schoßland, Sattler, Göhler, Franz, am Steuer Höhne, die 35 Minuten 55 2/3 Sek. zur Zurücklegung der Strecke brauchte. – Um 6 Uhr fand die Preisverteilung statt, an die sich ein gemütliches Zusammensein im Bootshause anschloß.
Die neue Orgel in der Stadt- und Hauptkirche. Der Bau unserer neuen Orgel wird morgen vollendet sein und unsere Stadt gelangt damit in den Besitz eines neuen Kunstwerkes. Die moderne Technik hat ja schon vor Jahren auch in unserer Kirche ihren Einzug gehalten. Die Zeit, wo jeder dort sein „eigenes Licht“ leuchten ließ oder einen mit heißen Steinen beschwerten Fußsack nach der Kirche schleppte, sind längst vorüber. Unsere alte Orgel war – wenn man der Zeit gedenkt, wo der Organist mit Fäusten und Ellenbogen „die Orgel schlagen“ mußte - immerhin schon ein Werk neuerer Konstruktion, aber die rapiden Fortschritte der Orgelbaukunst gerade in den letzten 15 Jahren ließen sie ganz unmodern erscheinen, ganz abgesehen davon, daß ihr ein drittes Manual fehlte oder die Untertasten noch schwarz und die Obertasten weiß waren und immerhin noch eine bedeutende Kraftanstrengung erforderlich war, um eine größere Komposition darauf zu spielen.. Die kirchlichen Körperschaften haben sich in dankenswerter Weise schnell entschlossen, eine neue Orgel zu bauen und diese im Jubiläumsjahr unserer Kaisers der Gemeinde als Geschenk und Erinnerungszeichen zu übergeben. Der Bau ist dem Orgelbaumeister Herrn G. Heinze in Sorau übertragen, und das neue Werk soll den Beweis erbringen, daß Herr Heinze etwas Hervorragendes zu leisten imstande ist. … [Es folgt eine Beschreibung der Orgel.]

Benthen 30.Sept.(Festgenommen.)
Der Vorsitzende der staatlichen Bergwerksdirektion in Hindenburg Geheimrat Wiggert , wurde, einer Meldung des „Wanderer“ zufolge, zu einer Vernehmung zur Interalliierten Kommission nach Oppeln berufen und dort aus unbekannten Gründen in Untersuchungshaft genommen.
Auf die Obstschau, die morgen, Sonntag und übermorgen, Montag, in den Räumen der Landwirtschaftlichen Schule, Crossener Straße 30, stattfindet, sei nochmals aufmerksam gemacht.
