die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Ein sonderbares Mittel, die Sperlinge von den Kirschbäumen zu vertreiben, wird dem Cottb. Anz. von einem seiner Abonnenten mitgeteilt. Dieser habe es angeblich selbst erprobt und empfiehlt es wegen seiner Einfachheit jedem dringend. Das Rezept lautet: Man hänge 2 - 3 Salzheringe in jeden Baum und sofort werden die frechen Räuber den Baum meiden.
Die Aufstellung eines neuen Gasometers für die Gasanstalt ist erforderlich. Die Stadtverordneten gaben gestern im Prinzip ihre Zustimmung dazu, indem sie dem Abbruch des alten schadhaften Gasometers zustimmten. Der neue Gasometer wird etwa 85000 bis 100000 M. kosten, die aus dem Reservefonds der Gasanstalt gedeckt werden können.
Stargardt. 16. Juni. (Pfarrwechsel.) Im Laufe dieser Woche verläßt Herr Pastor Mix die Stätte seiner hiesigen Wirksamkeit und übernimmt die Pfarrstelle an der Klosterkirche zu Guben. Am Sonntag hielt er in unserer Kirche vor vielen Zuhörern seine Abschiedspredigt, nachdem er sich 8 Tage zuvor schon von der Tzschernowitzer Gemeinde in einer besonderen Andacht in der Schule verabschiedet hatte. Sein Fortgang wird hier tief bedauert. Die Kirchengemeinde verliert in ihm nicht nur einen eifrigen Seelsorger, sondern auch einen allzeit hilfsbereiten, liebenswürdigen Berater. Die von ihm eingeführten Bibelstunden und Familienabende hatten sich stets regen Besuchs zu erfreuen; ebenso ist die Einrichtung des Kirchenchores und die Beschaffung einer neuen Orgel aus freiwilligen Gemeindemitteln sein Verdienst. Das kirchliche Leben ist während seiner fast 10jährigen hiesigen Tätigkeit um ein gutes Stück vorwärts gekommen. Auch auf sozial-politischem Gebiete war er unablässig tätig. Er gründete einen Raiffeisen-Verein, der die verschiedenen landwirtschaftlichen Maschinen anschaffte und deren Benutzung auch den übrigen Gemeindemitgliedern freistellte, und der vom Verein gekaufte Leichenwagen wird nunmehr bei jedem Begräbnis gebraucht. In absehbarer Zeit hätte unser Ort auf Grund der Anregungen des Herrn Pfarrer Mix auch Güterverkehr bekommen, doch scheint diese Frage nunmehr in weite Ferne gerückt zu sein. In die erledigte Pfarrstelle ist vom Patron unserer Kinder, Sr. Durchlaucht dem Prinzen zu Schönaich-Carolath, Pastor Zimmermann aus Meisterswalde, Kreis Danziger Höhe, berufen worden.

Die Kundgebung der Kreissynode Guben aus Anlaß der Aufhebung des Jesuitengesetzes lautete: „Durch die Aufhebung des Jesuitengesetzes hat der in einer Geschichte von Jahrhunderten als ärgster Gegner des Protestantismus erwiesene Jesuitenorden die Möglichkeit erhalten, auch in unserer märkischen Heimat Klöster und Schulen zu gründen, und damit eine bedeutend vermehrte Tätigkeit auszuüben. Daß dies im Jubeljahr der Reformation unter dem Zeichen des gern von uns gewahrten Burgfriedens geschehen konnte, erfüllt uns mit tiefem Schmerz und aufrichtiger Sorge. Die Kreissynode bittet daher die Provinzialsynode, aus allen Kräften drauf hinzuwirken, daß alle Ausnahmegesetze zu Gunsten der katholischen Kirche nunmehr aufgehoben und der 31. Oktober hinfort als voller öffentlicher Feiertag in Preußen begangen wird. Wir rufen in so ernster Lage unsere Gemeinden und alle ihre Glieder dazu auf, noch eifriger als bisher für die Wahrung der Lebensinteressen unserer evangelischen Kirche auch in der Oeffentlichkeit einzustehen, die Treue Mitarbeit am Bau des evangelisch-kirchlichen Lebens als Ehrenpflicht gegenüber dem Gedächtnis Luthers und der Väter zu betrachten und die Arbeit des Evangelischen Bundes, des bewährten Vorkämpfers der evangelischen Kirche, nachdrücklich zu unterstützen. Die Kreissynode tritt als solche dem Evangelischen Bunde als korporatives Mitglied bei und fordert dieGemeindekirchenräte auf, das Gleiche zu tun.
Vielfach wird die irrige Auffassung verbreitet, als ob die Reformationsjubelfeier auf 1918 verschoben sei. Das ist selbstverständlich nicht der Fall. Der Deutsche Evangelische Kirchenausschuß hat lediglich beschlossen, wie an zuständiger Stelle festgestellt wurde, wegen der Verkehrsschwierigkeiten und Ernährungsschwierigkeiten eine für Wittenberg am 31.Oktober geplante festliche Kundgebung aufzuschieben. Dagegen wurde bei diesem Beschluß die Erwartung ausgesprochen, daß in den evangelischen Gemeinden und von der evangelischen Bevölkerung die vierhundertjährige Feier selbst um so eindrucksvoller ausgestaltet werden soll. Wie man hört, wird dies demnächst in einer besonderen Bekanntmachung der evangelischen Kirchenregierungen den zuständigen Kreisen und der Oeffentlichkeit bekanntgegeben. Es ist auch ganz selbstverständlich, daß die deutsch-evangelische Christenheit, auf eine Gedenkfeier der Reformation in Haus und Schule, in Kirche und Versammlungen in diesem Jahre 1917 nicht verzichten kann und wird. Gerade im Ernst unserer Tage wird man einen solchen Quell innerer Kraft nicht verschütten lassen.
Neuzelle , 16.Juni.(Besitzwechsel.)
Das bahnamtliche Rollfuhrunternehmen, Kohlen und Düngemittel-Geschäft von B. Kretschmar Nachfl. Neuzelle, Bahnhofstr. 3, wurde durch das Grundstücks- und Hypotheken-Vermittlungs-Büro G. Melbauer an Herrn Miller, Wahren (Mecklenburg) verkauft.