die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Solche Hundstage wie in diesem Jahre sind seit undenklichen Zeiten nicht dagewesen. Man kommt wirklich in Versuchung, den Ofen zu heizen. Verspricht am Abend die sinkende Sonne einen schönen Tag und steigt sie dann am frühen Morgen in goldiger Schönheit am blauen Himmelsdom empor, so schöpft alles wieder neue Hoffnung auf einen schönen Tag, bald aber zieht trübes Grau herauf, die Sonne verhüllend, und unaufhörlich rieselt der Regen herab, oder aber am Himmel ballt sich Gewittergewölk zusammen und Blitz und Hagel vernichten, was die spärliche Sonne mit Mühe zur Reife gebracht hat. Wo sind die lauen Sommerabende, an denen es sich so schön im Freien beim kühlen Tranke sitzen ließ?
Höchstens 10 bis 12 Grad beträgt die Temperatur am Tage und auf 7 bis 8 Grad fällt sie an den Abenden herab; bei solch empfindlicher Kühle zieht es natürlich ein Jeder vor, sich in das wärmere Zimmer zurückzuziehen, um dort womöglich bei einem Glase Grog von der Hundstagshitze zu träumen.
Am meisten empfinden unsere Landleute das abnorme Wetter, die oft genöthigt sind, das Getreide noch feucht einzufahren. Wenn Jeder bei diesem Wetter fast verzagen möchte, Einer ist´s der unentwegt und muthig den Kopf oben behält, und dieser Eine ist Professor Rudolf Falb.
Mit der zuversichtlichsten Miene beglückt er in seiner bekannten Liebenswürdigkeit die Welt mit folgender Prognose: "Bis zum 24. August wird es sehr trocken!"
Die Trockenheitsperiode sollte nun schon am 11. August beginnen, aber dieser Umstand entmuthigte Herrn Falb durchaus nicht. Die empfindliche Kühle, die Windstöße und Regenschauer sind für ihn nur Vorläufer für zahlreiche Gewitter, die er für den 19. August, einen kritischen Termin zweiter Ordnung, prophezeite und die nur "stellenweise von stärkeren Niederschlägen begleitet sind."
Nach der Krisis am 19. August soll´s aber ganz bestimmt hundstagsmäßig warm werden. Falb sagt: "Die Temperatur steigert sich zu dieser Zeit auf eine ungewöhnliche Höhe, während sie an den übrigen Tagen normal ist. Vom 25.bis 31. August wird es jedoch wieder regnerisch, aber nur in den letzten Tagen ist eine größere Ausbreitung der Niederschläge zu erwarten.. Anfangs sind bei sehr hoher Temperatur die Gewitter zahlreich, später treten sie zurück, und die Temperatur beginnt zu sinken."
Die Prognose Falbs für die bisherige Periode des August hat sich wieder einmal als irrig erwiesen, denn seine Vorhersage: "Die erste Woche verläuft ziemlich trocken, und die Temperatur ist der Jahreszeit entsprechend", steht mit den thatsächlichen Verhältnissen in denkbar schroffstem Widerspruch.
Das Wasser der Neiße zeigt seit heute früh eine rotbraune Färbung. Die merkwürdige Erscheinung, für die bisher jede Erklärung fehlt, zeigt sich nicht nur hier, aus Gastrose wird auch berichtet, daß es dort ebenso sei, und auch aus Forst kommt die Meldung, daß nicht nur dort sondern noch weiter oberhalb das Wasser rotbraun erscheine. Übrigens erscheint das Wasser nur im Flusse selbst gefärbt; im Glase ist es wie immer klar und hell.
Schmerzloses Töten von Kleinvieh.
Der hiesige Tierschutzverein hat den Apparat zum schmerzlosen Töten mit Gas von Kleinvieh, Hunden, Katzen, Vögeln in der Gasanstalt aufstellen lassen. Der Apparat kann von jedermann unentgeldlich benutzt werden.

Zahlung der Zölle in Gold.
Die Zollzahlung in Gold wird dem Publikum dadurch erleichtert, daß die Reichsbankhauptkasse in Berlin sowie sämtliche Zweiganstalten der Reichsbank auf ausländische Währung lautende Zahlungsmittel (Silbergeld, Papiergeld, Banknoten u. dergl., Auszahlungen, Anweisungen, Schecks, Wechsel), die zu Zollzahlungen Verwendung finden sollen und die den Ankaufsbedingungen der Reichsbank entsprechend, vom Zollschuldner gebührenfrei ankaufen. Der entsprechende Gegenwert wird dem Einlieferer nicht ausgezahlt, sondern die Reichsbank erteilt eine Empfangsbescheinigung aus der sich der den eingelieferten Zahlungsmitteln entsprechende Betrag in Markwährung ergibt. Diese Empfangsbescheinigung wird von den Zollstellen zu den darin verwerteten Markbetrage wie deutsche Banknoten, Reichs- und Darlehnskassenscheine bei der Entrichtung des Zolles in Zahlung genommen.
Wellmitz, 15. Aug. (Radfahrerfest.)
Am Sonntag feierte der Radfahrerverein Wanderlust aus Breslack sein diesjähriges Sommervergnügen im Gasthof zur Eisenbahn hier. Mehrere Brudervereine aus den umliegenden Ortschaften waren der Einladung gefolgt. Sie wurden vom Festkomitee einzeln mit Musik eingeholt und zum Festlokal geführt. Um 3 Uhr hielten die Vereine auf ihren Rädern mit Vorantritt einer Musikkapelle einen Festzug durch das Dorf nach dem Kriegerdenkmal zu. Jeder Verein war durch die verschiedenen Farben der Festschärpen der Vereinsmitglieder besonders erkenntlich gemacht worden. Im Vereinslokal entwickelte sich bald eine frohe Feststimmung unter Beteiligung der Ortsbewohner. Kunstfahrten wurden ausgeführt. Im schön belaubten Garten waren zwei Schießstände eingerichtet, die lebhaft benutzt wurden. Um 5 Uhr begann der Ball mit fröhlichem Tanze, wobei der Saal ziemlich überfüllt war. Das Fest wird allen Teilnehmern in guter Erinnerung bleiben.