die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Der Cirkus E. Blumenfels Ww. gab Sonnabend Abend seine erste Vorstellung in unserer Stadt, der am Sonntag zwei weitere folgten. Heute ist der Circus bereits wieder abgereist. Die Ankündigungen des Circus sagten in der That nicht zu viel; er ist einer der besten Reisecircusse, die hier gewesen sind. Er imponirt vor allem durch sein sehr reichhaltiges, gediegenes Pferdematerial. Gleich der erste Piece rief den denkbar günstigsten Eindruck hervor: Die ganze Manege voller Pferde - wie viele es waren, konnte man garnicht zählen - , die prächtig dressirt in genau vorgeschriebener Bewegung zum Theil von links nach rechts, zum Theil in umgekehrter Richtung rannten. Die folgenden Nummern verstärkten den guten Eindruck. Herr Goudsmidt und Frl. Olympia zeigten sich in der Liebeswerbung zu Pferde als hervorragende Künstler. Nicht minder gefiel die Reitpiece von Herrn Ludwig und Frl. Grace. Sehr anmuthig nahm sich der von Herrn Ludwig Blumenfeld zur hohen Schule dressirte Schimmelhengst Germinal aus; das Original-Freiheits-Potpourri, vorgeführt von Herrn Direktor A. Blumenfeld, rief allgemeine Bewunderung hervor. Für Unterhaltung sorgten verschiedene Clowns, auch eine „Clowneuse“; ein Kinematograph zeigte eine Reihe lebender Bilder, zumeist humoristischem Genres. Am schwebenden Bambusrohr producirte Herr Harry seine staunenerregenden Kunststücke. Doch es ist unmöglich, alle Einzelheiten aufzuzählen; genug, das Publikum zeigte sich höchst befriedigt und gab seiner Anerkennung wiederholt lebhaften Ausdruck.
Lübbenau: Man hätte nach den letzten Berichten über den Sonntagsbesuch im Spreewalde glauben mögen, das Höchstmaß sei erreicht und eine weitere Steigerung nicht möglich. Daß diese Annahme eine irrige war, bewies der Besuch am letzten Sonntag. Ein Menschenstrom bewegte sich durch den Spreewald, wie ihn noch niemals ein Pfingststag gehabt hat. Der Hauptstrom kam über Burg und benutzte nur den hiesigen Bahnhof zur Heimreise. In Burg waren tatsächlich viermal so viele Fremde, als Kirchenbesucher. Trotzdem aber hatten die hiesigen Gasthäuser ihre Quartiere ebenfalls besetzt. Von 2 Uhr nachmittags ab war die Strecke zwischen der Wotschofska und dem königlichen Walde so dicht mit Kähnen besetzt, daß diese nicht nur eine, nein mindestens zwei nebeneinander laufende ununterbrochenen Linien bildeten. Aehnliches ist wohl noch niemals hierselbst beobachtet worden. Leider ist der Flußlauf vor dem Gasthaus in Lehde zu schmal, um einem solchen Verkehr gewachsen zu sein. Hier muß auf irgend eine Weise Abhilfe geschaffen werden.
Der Waldgottesdienst bei Germersdorf war gestern vom Wetter aufs freundlichste begünstigt. Eine zahlreiche Menschenmenge aus Guben und aus den umliegenden Ortschaften hatte sich eingefunden; wie wir hören, müssen es nach der Zahl der verteilten Liedertexte zu schätzen, etwa 700 Personen gewesen sein. Der Platz selbst war dank der unverdrossenen Mühewaltung einiger Germersdorfer Gemeindeglieder aufs Neue hübsch ausgeschmückt, die Kanzel reich mit Girlanden umwunden und mit einem großen Kreuz aus Kornblumen verziert. Die klare Luft bot eine entzückende Fernsicht weit über Seitwann, Drenzig und Wallwitz hinaus. Besonders anerkennenswert war es, wie Herr Pastor Dibelius in den einleitenden Bemerkungen, die er dem Gottesdienst vorausschickte, hervorhob, daß der unter Leitung des Herrn Kantor Klinkott stehende Handwerker-Gesangverein seine freiwillig angebotene Mitwirkung aufrecht erhalten hatte, obwohl an diesem Tage der Gesangverein aus Gassen bei ihm zu Besuch war… Die Feier klang nach Vaterunser und Segen und nach dem Schlußvers der Gemeinde in dem Chor aus dem Nachtlager von Granada aus, die vom Wolffschen Quartett geblasen wurde: „Schon die Abendglocken klangen“. Es war eine weihevolle Stunde gewesen, die den Teilnehmern gewiß lange in Erinnerung bleiben wird, wie man denn auch gestern von allen Seiten nur Worte der freudigsten Befriedigung hörte.
Säuglings-Fürsorgeheim. Nachdem die gestrige Feier im Jugendheim beendet war, begaben sich die Herren nach dem Grundstück Alte Poststraße 43, wo die Weihe des Grundsteins zu dem Säuglings-Fürsorgeheim vorgenommen wurde. An diesem Festakt nahmen auch für den Verein „Frauenwohl“ Frau Fabrikbesitzer Marg. Schlief und für den Vaterländischen Frauen-Zweigverein Frau Oberbürgermeister Johanna Bollmann teil. Zu beiden Seiten des Steins standen Maurerlehrlinge, in ihrer Zunfttracht. Es war ein erhebender Augenblick, als Herr Erster Bürgermeister Dr. Glücksmann an den Stein herantrat und die Gründungsurkunde verlas, aus der zu entnehmen war, daß es sich hier um ein Werk von hoher sozialer Bedeutung handelt, dessen Notwendigkeit erst später so recht in die Erscheinung treten wird, wenn es seiner Bestimmung gemäß in Wirksamkeit getreten ist. [Es folgt der Text der Gründungsurkunde].

Sorau, 17.Juni.(Aus dem Gefängnis ausgebrochen). Zwei Arbeiter, Gustav Kleiß, 19 Jahre alt, und Willi Strobel, 21 Jahre alt, sind in der Nacht zum Mittwoch aus dem Gefängnis in Sorau ausgebrochen.