die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Das hiesige Stadtmuseum (Markt 12) hat im Laufe der letzten Wochen vielfache Bereicherung erfahren. Die Ausstattung eines der Zimmer mit Möbeln auf der Zeit von 1730-50 ist erweitert worden. In demselben Raum ist das Modell, nach welchem 1836 die Kirchthurmfahne gearbeitet worden ist, in deren wirklichen Größe ausgestellt; einer der von Herrn Wuttge geschenkten Schränke enthält die Anfänge einer Sammlung von altmeißner Porzellan, das in Gubener Familien in Gebrauch gewesen ist. Ebenda ist eine seltene Zusammenstellung von Zierpapieren aus Nürnberger und Augsburger Fabriken vom Endes des 17. Jahrhunderts zur Schau gestellt; die in Gold gedruckten Bilder geben Scenen aus dem Leben, Heiligengestalten, wilde Thiere und Arabesken wieder und sind so wohlerhalten, als hätten sie kaum die Presse verlassen. Dieser Zustand erklärt sich durch die ungestörte Aufbewahrung in alten Magistratsakten. Interessante Zeitungsblätter über Vorgänge der Jahre 1848-50, 1878 u.a., hiesige alte Theaterzettel für bemerkenswerthe Aufführungen, ferner Andenken an hervorragende Angehörige des Stadt- und Landkreises, z.B. ein viertes Bild von Corona Schröter, 1751 in Guben geb., in Ilmenau am 23. Aug. 1802 gestorben, eine Medaille auf der Gubener Rektor C. A. Böttiger geprägt, Siegel und Handschrift des Dichters Chr. D. Freiherr von Schoenaich auf Amtitz, (gest. 1805) und Ansichten bemerkenswerther Baulichkeiten, die z. Th. dem Abbruch entgegensehen, sind hinzugekommen.
Das Museum ist allsonntäglich von 11 - 1 Uhr zur unentgeltlichen Besichtigung geöffnet.
Neueste Nachrichten: Berlin: Das Berliner Tageblatt erfährt, daß im Befinden des in Schirke im Harz sich aufhaltenden Professors Virchow eine Verschlimmerung eingetreten sei. Virchow hatte in den letzten Tagen bedrohliche Schwächeanfälle.
Der Verkehr vom Bahnhofe nach der Stadt leidet noch immer unter Mängeln, die einer Stadt von der Größe Gubens nicht würdig sind. Nachts ist jetzt überhaupt keine Fahrgelegenheit mehr. Die Straßenbahn stellt an den Wochentagen kurz nach 10 Uhr den Betrieb ein, und die Hotelwagen fahren gegen ½ 1 Uhr nachts zum letzen mal in die Stadt. Der Droschkenbetrieb ließ von jeher zu wünschen übrig. Der Einheimische, der mit einem späteren Zuge zurückzukehren gedenkt, der mag sich rechtzeitig bei einem Droschkenbesitzer vorher einen Wagen bestellen, der ihn vom Bahnhofe abholt, aber was tut der Fremde, der mit diesen merkwürdigen Gepflogenheiten einer Stadt von bald 40000 Einwohnern nicht vertraut ist, namentlich, wenn er in Guben unbekannt ist? Er steht dann ratlos auf dem Bahnhofe und weiß nicht wohin. Daß hier ein schreiender Übelstand besteht, dem abgeholfen werden müsste, bedarf wohl keiner Auseinandersetzung. Wenn kein Mittel verfängt, vielleicht entschließt man sich, an die Bahnverwaltung zu petitionieren, sie möge nicht so rücksichtslos sein, noch nach 1 Uhr nachts Schnellzüge von Berlin und von Breslau und Personenzüge von Halle und von Posen hier anhalten zu lassen, dann schwindet das Bedürfnis nach Fahrgelegenheiten in der Nacht von selbst.
Großfeuer in Guben
In der Vergangenen Nacht ist die in der kleinen Crossenerstraße 7/8 gelegene Strumpfwarenfabrik von Gustav Linke von einem verheerenden Feuer heimgesucht worden. Zwischen 1 und 2 Uhr wurde der Besitzer von zwei an seinem Hause Crossenerstraße 3 vorübergehenden Bürgern geweckt und aufmerksam gemacht, daß aus seinem Fabrikgrundstück Rauch aufsteige. Der Besitzer überzeugte sich sofort und gewahrte, daß aus den Fenstern des Kontorraumes Flammen herausschlugen. Er legte sofort eine Leiter an, stieg zum ersten Stock hinauf und schlug die Fenster ein, um die Geschäftsbücher zu retten. Hierbei erlitt er an den Händen Brandwunden durch Stichflammen, rettete aber die Bücher.
Inzwischen hatte sich das Feuer in großer Geschwindigkeit dem zweiten Stockwerk mitgeteilt und nahm von hier aus seinen Weg zurück zu den im ersten Stock liegenden Lagerräumen.
Beim Eintreffen der Feuerwehr, die sehr schnell an der Brandstelle erschien, schlugen die Flammen schon aus allen Teilen des Grundstückes heraus. Da bekanntlich die kleine Crossenerstraße sehr eng ist, war für die angrenzenden und gegenüberliegenden Wohnhäuser Gefahr im Verzuge, mithin mußte die Feuerwehr den Nachbargebäuden ihre besondere Aufmerksamkeit widmen. Glücklicherweise blieb das Feuer auf die Linke’sche Fabrik beschränkt.
Die Firma beschäftigt über 200 Arbeiter; der Betrieb war gegenwärtig ein sehr flotter. Im Lagerraum befanden sich für etwa 150 000 Mark fertige Strumpfwaren, die demnächst zum Versand kommen sollten. Dieser gesamte Vorrat und mit ihm alle Maschinen und sonstiges Fabrikinventar sind ein Raub der Flammen geworden. Dazu kommt noch der erhebliche Gebäudeschaden und 1500 Mark in bar verbranntes Geld, so daß der gesamte Brandschaden auf etwa 250 000 Mark geschätzt wird, den die Bayerische Versicherungsbank zu tragen hat. Hierbei ist der Schaden, der dem Besitzer durch Stillegung des Betriebes betrifft, nicht berücksichtigt.
Die Entstehungsursache des Brandes ist völlig unbekannt. Noch gestern abend bei Geschäftsschluß wurde sorgfältig revidiert, aber nichts verdächtiges entdeckt. Man vermutet daher, daß das Feuer durch Selbstentzündung der Baumwollballen entstanden ist, allerdings ist irgendein Anhaltspunkt auch hierfür nicht vorhanden.
Der Fabrikbetrieb ist auf einige Zeit vollständig stillgelegt, indessen hat ein hiesiger Fabrikbesitzer der geschädigten Firma Räume zur Verfügung gestellt, damit den brotlos gewordenen Arbeitern baldmöglichst Arbeitsgelegenheit geboten werden kann. Die Firma hofft, in den nächsten Tagen von diesen Anerbieten Gebrauch machen zu können.
Die Feuerwehr, die sich bei den schwierigen Löscharbeiten ausgezeichnet hat, hatte noch bis heute vormittag auf der Brandstätte zu tun, da aus den Trümmern hier und da noch ständig kleine Flammen emporzüngelten.
Der „Alte“. In der Erntezeit herrscht in vielen Gegenden unserer Mark die Sitte, den „Alten“ zu bringen, sobald das letzte Korn gemäht und gebunden ist. Der „Alte“, dem vielfach die Gestalt eines Mannes gegeben wird, ist die letzte Getreidegarbe. Während man sie in einigen Gegenden an der Ecke des Stoppelfeldes stehen läßt, wird sie in anderen wieder in festlichem Zuge in das Herrenhaus gebracht und löst gleich dem Erntekranz die vorjährige Garbe ab. Diese Erntesitte ist aus der heidnischen Vorzeit in unsere Tage übernommen und bedeutet nichts anderes, als den Göttern, welche die Ernte wohlgelingen ließen, ihren Anteil daran zu geben, um sich auch ferner ihres Segens zu sichern. Mit der märkischen Sitte deckt sich ein in Schlesien bestehender Brauch, demzufolge der Bauer das erste, aus neuem Korn gebackene Brot nicht für seinen Haushalt verwendet, sondern einem Armen schenkt. Mit dem Bringen des „Alten“ ist stets eine ländliche Festlichkeit verbunden.
Gestern abend hat eine Windhose großen Schaden an Gebäuden angerichtet und das auf dem Felde stehende gemähte Getreide so durcheinander geworfen, daß die einzelnen Besitzer nicht mehr in der Lage sind, ihr Eigentum herauszufinden. Die Windhose ist nach der Oder zu verlaufen.
