die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Grießen: Am vergangenen Mittwochnachmittag entstand bei Grießen ein Heidebrand, der durch Funken der Lokomotive des von Guben kommenden Zuges verursacht wurde. Das dürre Gras der abgeholzten Höhen rechts des Bahndammes hatte Feuer gefangen und dieses verbreitete sich, durch starken Ostwind angefacht, mit großer Schnelligkeit die steilen Berge hinauf. Da der Lokomotivführer die Entstehung des Feuers beobachtet hatte, konnte von der nahen Station Grießen sogleich Hilfe gebracht werden. Der dortige Vorsteher Winde eilte auf einer Draisine zur Brandstelle; mit noch einigen hinzukommenden Mannschaften gelang es, das Feuer, nur noch 3 Meter von dem angrenzenden Walde entfernt, zum Stehen zu bringen und somit beträchtlichen Schaden zu verhüten. Die Brandstelle hat eine Ausdehnung von ca. 20 Morgen. Der Rest des noch auf dem Platze lagernden Holzes ist zumteil mit verbrannt. Besitzer des Grundstücks ist Fabrikbesitzer Lehmann in Gr.-Gastrose.
Eigenartige Ortsnamen, in denen die Tierwelt zahlreich vertreten ist, weist das Postverzeichnis für die Mark Brandenburg auf. So findet man Namen wie die folgenden: Adlershof, Bärenschlauch, Bieberheim, Bienenhof, Dohlennest, Dammhirsch, Entenfang, Eselshütte, Eule, Alter Gaul, Fliegendes Roß, Grünhirsch, Goldener Löwe, Hecht, Hammelstall, Hundekehle und Hundebelle, Kaninchenhaus, Kuckuck, Kuhfort, Kuhbier, Rabenstein, Schwan, Hungriger Wolf, Schwarzer Kater, Schweinepfeife, Ziegenwerder u.a.m. Vielfach begegnet man fremden Ortsbezeichnungen, wie Kapernaum, Jerusalem, Zion, Ninive, Ceylon, Jamaika, Malta, Corsika, Saratoga, Anopilis, Charlestown, Havanna, Maryland, Pennsylvanien, Philadelphia. Eigenartig muten auch die nachstehenden Namen an: Almosen, Allzunah, Apostelgarten, Bierfässchen, Fegefeuer, Paradies, Trinkemal, Letzte Groschen, Totenkopf, Totengräber, Elend, Mißgunst und Bahnwärter.

Geographisch hinweisende Zusätze in Paketaufschriften werden von der Reichspostverwaltung dringend empfohlen, um Irrtürmern bei der Zuteilung für die verschiedenen Eisenbahnstrecken vorzubeugen und Absender und Empfänger vor Schaden zu bewahren. Es empfiehlt sich deshalb, daß die Absender in den Paketaufschriften nicht nur die amtliche Bezeichnung der Postorte angeben, sondern- abgesehen von den Orten mit dem Sitz einer Oberpostdirektion und sonstigen allgemein bekannten großen Städten- auch zusätzliche Bezeichnungen (Kreis, Provinz, Bundesstaat , Fluß , Gebirge oder dergl.) hinzufügen. Dadurch wird den jetzt im Verteilungsdienst beschäftigten wenig geübten Hilfskräften die richtige Leitung erleichtert.
Ueber den Pflaumendiebstahl auf dem Steinsdorfer Gebiet, bei dem in der Nacht zum 1. Sept. einer Frau von dem Wächter eine Schußverletzung beigebracht wurde, erhalten wir noch eine andere Darstellung, nach der es sich doch nicht nur um Mitnahme einiger Hände voll Pflaumen handelt, sondern um einen planmäßigen Pflaumendiebstahl. Der Gastwirt R. hielt in der fraglichen Nacht Wache. Zwischen 12 und 1 Uhr nachts hörte er entferntes Rascheln im Laub. Er ging dann weiter, kehrte aber noch einmal zurück und sah einige Gestalten, die er anrief, die aber davonliefen. Er gab daraufhin 2 Schreckschüsse ab. Als er näher heran kam, nahm er an, daß es drei Männer waren, von denen er nicht wußte, ob sie ihn, da er allein war, nicht überfallen werden. Daher gab er noch zwei Schreckschüsse ab und ging dann zurück, um sich Hilfe aus Steinsdorf zu holen. Mit dem Gemeindevorsteher kam er an die fragliche Stelle, wo sie drei Körbe und drei Säcke mit zusammen etwa 4 Ztr. Pflaumen fanden. Der Gemeindevorsteher begab sich nochmals ins Dorf zurück, um weitere Hilfe zu holen. Während dieser Zeit kam ein Mann auf R. zu, der nun nochmals schoß und dabei die Frau getroffen haben muß. Der Mann kam dann nicht an die Körbe heran. Während dessen kam der Gemeindevorsteher mit drei Mann von zwei verschiedenen Richtungen heran. Sie hatten unterwegs eine Frau getroffen, die vorgab, vom „Pflaumenpellen“ zu kommen und zunächst hartnäckig leugnete, von dem Diebstahl etwas zu wissen. Schließlich gab sie aber zu, mitbeteiligt zu sein. Die Körbe und Säcke wurden dann ins Dorf gebracht.- Soweit die Darstellung von beteiligter Seite: im übrigen wird der Fall ja weiter untersucht werden und hoffentlich abschreckend auf diejenigen wirken, die unter dem Deckmantel der Nacht das Obst von den Bäumen gleich zentnerweise stehlen. Die Wächter müssen sich zu schützen suchen, da meist die Diebe auch bewaffnet sind.